Frankreich steht vor einer wachsenden Herausforderung im Bereich der Energieversorgung. Seit über 15 Jahren ist dem Land bewusst, dass die meisten seiner 57 Atomkraftwerke (AKWs) dem Betriebsende entgegensteuern. Trotz der Ankündigung einer Stromwende, die jedoch nach wenigen Monaten wieder zurückgenommen wurde, sind die Bemühungen um den Ausbau erneuerbarer Kapazitäten in den Hintergrund gerückt. Diese Unterlassung hat dazu geführt, dass Frankreich nun plant, die bestehenden Atomkraftwerke weiter auszubauen. Die Subventionen für den AKW-Betrieb, die seit 1955 kontinuierlich gezahlt werden, belasten die Staatskasse erheblich.

Die aktuellen Planungen sehen vor, dass Atomstrom weiterhin eine zentrale Rolle spielt. Dabei ist der Atomstrom bereits zweieinhalbmal teurer als erneuerbarer Strom, ohne die Endlagerkosten zu berücksichtigen. Die Politik steht in der Kritik, da sie keinen nachhaltigen Ausweg aus der Abhängigkeit von Kernenergie ermöglicht. Bei hohen Investitionen in die Atomkraft sind die Kosten für den Ausbau erneuerbarer Energien durch die Subventionen für AKWs stark eingeschränkt. Insbesondere die Abregelung von Wind- und Photovoltaikanlagen bei Überproduktion führt zu erhöhten Kosten für Ökostrom, was private Investoren abschreckt und den Zubau erneuerbarer Energien behindert. Eine weitere Problematik stellt die Abhängigkeit Frankreichs von Uranimporten aus Russland dar, die die Energieversorgung zusätzlich gefährdet. oekonews berichtet über diese kritischen Entwicklungen.

Strategische Planung und politische Reaktionen

Die französische Regierung hat eine neue Energiestrategie vorgestellt, die über drei Jahre entwickelt wurde und die Ziele für den Bereich der Energieversorgung in den kommenden Jahrzehnten festlegt. Premierminister Sébastien Lecornu kündigte an, dass ab 2038 der Bau von insgesamt sechs neuen Atomkraftwerken geplant sei, mit der Option für weitere acht. Zudem soll die Laufzeit der bestehenden Atomkraftwerke auf bis zu 60 Jahre verlängert werden. Atomkraft deckt bereits now zwei Drittel der elektrischen Versorgung des Landes ab. Um den Anteil kohlenstoffarmer Energie bis 2030 von 40 auf 60 Prozent zu erhöhen, wurden jedoch auch die Pläne für den Ausbau erneuerbarer Energien wie Solar- und Windkraft zurückgefahren. Besonders die Solarziele wurden von 54 auf 48 Gigawatt reduziert, und auch die Offshore-Windkraftziele wurden von 18 Gigawatt auf 15 Gigawatt gesenkt.

Obwohl die Strategie als Fortschritt wahrgenommen wurde, äußerte Marine Le Pen von der Partei Rassemblement National deutlich ihre Kritik und kündigte rechtliche Schritte an. Die Erleichterung, die nach der Vorstellung des Plans bei Wirtschaftsvertretern und Klimaaktivisten spürbar war, könnte durch diese politische Unsicherheit bald gedämpft werden. sueddeutsche.de beschreibt die komplexe Situation rund um den neuen Plan und die damit verbundenen politischen Spannungen.

Entwicklung erneuerbarer Energien in Deutschland

Im internationalen Vergleich macht Deutschland Fortschritte beim Ausbau erneuerbarer Energien. Die Bundesnetzagentur hat kürzlich die Zahlen für 2024 veröffentlicht, die einen Anstieg der installierten Leistung um knapp 20 Gigawatt auf insgesamt fast 190 Gigawatt zeigen. Das entspricht einem Zuwachs von 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Diese Entwicklung reflektiert den Trend, den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung, der 254,9 TWh oder fast 60 Prozent beträgt, weiter zu steigern. Hauptanteile am Zubau haben Solar- und Windenergie, und die Genehmigungsverfahren wurden in den letzten Jahren vereinfacht, um den Zuwachs zu beschleunigen.

Im Jahr 2024 betrug der Zubau der Solarleistung 16,2 Gigawatt, wobei ein Großteil davon auf Hausdächern installiert wurde. Auch der Zubau der Windkraft an Land erreichte 2,5 Gigawatt, mit einem Ziel von 115 Gigawatt bis 2030. Diese Fortschritte stehen im auffälligen Kontrast zu den Herausforderungen, vor denen Frankreich steht, und verdeutlichen die unterschiedlichen Ansätze der beiden Länder in der Energiestrategie. bundeswirtschaftsministerium.de bietet weitere Informationen zu den Entwicklungen in Deutschland.