Im Vorfeld des Ramadan, der in diesem Jahr am 20. März beginnt, rückt das Thema Fasten wieder in den Fokus, insbesondere in Bezug auf die Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche. Evelyn Kometter, die Vorsitzende des Dachverbands der Elternvereine der Pflichtschulen Österreichs, äußert besorgniserregende Beobachtungen: Kinder, die im Unterricht fasten, seien laut ihrer Aussagen häufig ohnmächtig geworden. Diese negativen Auswirkungen des Fastens scheinen besonders während wachstumsintensiver Phasen der Kinder und Jugendlichen deutlich zu zutage zu treten. Oft essen die Kinder erst spätabends und leiden dann unter Schläfrigkeit, was zu einer allgemeinen Beeinträchtigung der Konzentrationsfähigkeit führt. Auch der Sportunterricht und schulische Prüfungen leiden darunter.

In den Schulen Wiens, wo über 40 Prozent der Schüler einen islamischen Hintergrund haben, ist das Thema Ramadan präsent. Die Wiener Bildungsdirektion hat beschlossen, im Umgang mit gesundheitlichen Beschwerden von Schülern während der Fastenzeit proaktiv zu handeln. Laut der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich sind Kinder jedoch nicht zur Durchführung des Fastens verpflichtet. Der Elternentscheid sei entscheidend, wobei Ausnahmen für Prüfungen oder Schulreisen empfohlen werden.

Gesundheitliche Aspekte des Fastens

Parallel zu den Diskussionen um die Auswirkungen des Ramadans gibt es neue wissenschaftliche Erkenntnisse über das Fasten im Allgemeinen. Eine in der Fachzeitschrift Nature Metabolism veröffentlichte Studie zeigt, dass längere Fastenperioden zu signifikanten Veränderungen im Körper führen. Eine Gruppe von gesunden Freiwilligen, die an einem siebentägigen Wasserfasten teilnahm, erlebte einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 5,7 kg, wobei dieser hauptsächlich auf den Verlust von Muskel- und Organmasse zurückzuführen war. Interessanterweise veränderte sich nach drei Tagen Fasten jedes dritte in Blutproben gemessene Protein, was wichtige Erkenntnisse zur proteinhaltigen Zusammensetzung aller Organe liefert.

Die Studie, die unter der Leitung von Claudia Langenberg steht, unterstreicht die evolutionäre Bedeutung des Fastens und dessen historische Anwendungen in der Behandlung von Erkrankungen wie Epilepsie und Rheuma. Die Ergebnisse könnten zukünftig möglicherweise dazu beitragen, Behandlungsansätze für Patienten mit Vorerkrankungen zu entwickeln.

Fastenzeit und ihre Herausforderungen

Der Ramadan beginnt in diesem Jahr fast zeitgleich mit der christlichen Fastenzeit, die am Aschermittwoch beginnt und bis zum 5. April dauert. Während des Ramadan verzichten Muslime tagsüber von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf Essen und Trinken. Ernährungsexpertin Barbara Lieder von der Universität Hohenheim erklärt, dass die positiven Effekte des Ramadans stark von der Ernährung abhängen, die nach dem Fasten kombiniert wird. Studien zeigen, dass übergewichtige Menschen während des Ramadans leichten Gewichtsverlust und einen Rückgang der Blutfette erfahren. Allerdings sind diese Effekte oft auf Wasserverlust zurückzuführen, sodass das Gewicht nach dem Fasten wieder ansteigen kann.

Dennoch kann das Fasten auch Vorteile für die psychische Gesundheit bieten, indem es zu mehr Selbstkontrolle und Disziplin führt. Es gibt jedoch auch Risiken, insbesondere für körperlich aktive Menschen, die unter Schlafstörungen und Flüssigkeitsmangel leiden können. Gesundheits- und Ernährungsexperten empfehlen daher während der Fastenzeit eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung. Für Kinder, schwangere oder stillende Frauen sowie chronisch Kranke wird das Fasten zudem nicht empfohlen.

Insgesamt verdeutlicht die Diskussion um das Fasten in Schulen und die gesundheitlichen Aspekte des Ramadans die Komplexität und die Herausforderungen, die mit dieser spirituellen Praxis verbunden sind.