In Wien stehen derzeit vier Männer vor Gericht, die sich als Polizisten ausgaben und ältere Frauen betrogen. Der Prozess, ursprünglich auf zwei Tage angesetzt, wurde aufgrund der Geständnisse der Beschuldigten verkürzt. Alle Angeklagten zeigten sich vollinhaltlich geständig, was dazu führte, dass auf die Vernehmung von Zeugen verzichtet wurde. Die Opfer, allesamt über 80 Jahre alt, wurden am Telefon darüber informiert, dass ihr Geld und ihre Wertsachen in Gefahr seien. Ihnen wurde geraten, ihre Wertsachen zur Sicherheit zu übergeben, was zu erheblichen Vermögensverlusten führte. Oberstaatsanwalt sprach von „bösen und verwerflichen“ Taten, die einen Gesamtschaden von 22 Millionen Euro in Österreich verursachten.

Die vier Angeklagten, darunter ein 34-jähriger Hauptbeschuldigter sowie ein Brüderpaar (22 und 29 Jahre) und ein 36-Jähriger, hatten direkten Kontakt zu den Opfern. Sie agierten als Fahrer und Abholer. Ein besonderer Fall war ein 29-jähriger Angeklagter, der sogar in die Türkei reiste, um gefälschte Polizistenausweise zu besorgen. Ein 20-jähriger Angeklagter wird wegen räuberischen Diebstahls angeklagt, da er einer Pensionistin ein Sackerl mit Goldmünzen entriss. Laut Anwälten der Angeklagten handelte es sich bei ihnen um die unterste Schicht einer größeren Organisation, deren Hintermänner in der Türkei sitzen.

Die Motivation der Täter und ihre Masche

Die Angeklagten gaben an, aus Geldnot von der Bande in der Türkei angeworben worden zu sein. Für jede Abholung erhielten sie zwischen 1.000 und 3.000 Euro. Der Hauptbeschuldigte berichtete, zwischen 25.000 und 30.000 Euro verdient zu haben und durch eine Freundin auf diese Tätigkeit aufmerksam geworden zu sein. Besonders dramatisch war der Fall eines Opfers, das bei einer Abholung mehr als eine halbe Million Euro übergab und dabei einen Schaden von 1,2 Millionen Euro erlitt.

Die Festnahme der Beschuldigten im März 2024 erfolgte durch Handypeilung, und alle vier Angeklagten kamen am Freitag auf freiem Fuß ins Gericht. Dieser Fall verdeutlicht, wie ältere Menschen vermehrt Ziel solcher Betrügereien werden, ein Trend, der in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Laut der Bundesverbraucherhilfe sind ältere Menschen besonders anfällig für Betrugsanfälle, die zunehmend über das Internet und Telefon erfolgen.

Risiken und Schutzmaßnahmen für Senioren

Die steigende Zahl von Betrugsfällen zeigt, wie wichtig es ist, ältere Menschen über die Risiken moderner Betrugsmaschen aufzuklären. So führte die Digitalisierung zwar zu einer Erleichterung im Alltag, bringt jedoch auch neue Gefahren. Im Jahr 2020 gab es in Österreich 18.780 Fälle von Internetbetrug, was einen Anstieg von 11,6% im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Besonders gefährdet sind Senioren, die oft nicht gut mit den digitalen Medien vertraut sind. Betrugsfallen, unseriöse Gesundheitsinformationen und Phishing-Mails sind nur einige Beispiele für die Risiken, den sie begegnen.

Um sich vor Betrügern zu schützen, empfiehlt es sich für ältere Menschen, einige Sicherheitstipps zu befolgen. Dazu gehören das genaue Lesen aller Informationen vor einem Klick, Vorsicht bei kostenlosen Angeboten und das Verwenden sicherer Zahlungsmethoden. Außerdem sollten sie keine persönlichen Daten im Internet preisgeben und unseriöse E-Mails unverzüglich löschen. Die Internet Ombudsstelle bietet zudem kostenlose Hilfe bei Betrugsfällen.

Zusammenfassend ist der Fall der falschen Polizisten in Wien nicht nur ein eindringlicher Hinweis auf die Gefahren des Betrugs, sondern auch eine Aufforderung, sich aktiv um die Sicherheit von Senioren in digitalen und persönlichen Interaktionen zu kümmern. Die Aufklärung und Prävention sollte dabei ganz oben auf der Agenda stehen, um das riskante Terrain der Internetkriminalität zu navigieren.

Für weiterführende Informationen zur Sicherheit im Internet für Senioren können auf die Seiten der Bundesverbraucherhilfe und Onlinesicherheit verwiesen werden.