Die Europäische Kommission hat am 4. März 2026 in Brüssel ihre ambitionierten „Made in Europe“-Pläne vorgestellt, die die Förderung einer sauberen europäischen Industrie zum Ziel haben. Diese Initiative ist Teil des neuen „Industrial Accelerator Act (IAA)“, der trotz seiner mehrfachen Verschiebungen bereits für Kontroversen sorgt. Dies berichtet vienna.at.
Wesentliche Aspekte des IAA sind die Stärkung der Produktionskapazitäten in Europa und die Erhöhung der Nachfrage nach lokal hergestellten Technologien und Produkten. Der Plan sieht vor, dass sich öffentliche Beschaffungen und Förderungen auf strategische Sektoren wie Stahl, Zement, Aluminium und die Automobilindustrie konzentrieren. Diese Industrien sind für den wirtschaftlichen Erfolg der EU von entscheidender Bedeutung und stehen unter erheblichem Wettbewerbsdruck.
Politische Differenzen und Ziele
Zu den politischen Diskussionen gehört ein Konflikt zwischen Deutschland und Frankreich über die genaue Formulierung der Pläne. Deutschland plädiert für die Betonung des Begriffs „Made with Europe“, während Frankreich eine stärkere Unterstützung für „Made in“ fordert. Die Zeit berichtet, dass auch Parameter für öffentliche Gelder festgelegt werden sollen, die ausschließlich für Produkte verwendet werden dürfen, die den „Made in Europe“-Kriterien entsprechen.
In Österreich wurden 61 Produktionsstätten identifiziert, die unter die neuen Regelungen fallen könnten. Der IAA hat ambitionierte Ziele: Der Anteil der Fertigungsindustrie an der EU-Wirtschaft soll bis 2035 von derzeit 14,3% auf 20% steigen. So wird beispielsweise gefordert, dass bei in der EU zusammengebauten Elektroautos innerhalb von sechs Monaten nach Inkrafttreten der Vorschriften zehn Prozent der Komponenten „Made in EU“ sein müssen.
Wirtschaftliche Implikationen und Herausforderungen
Der IAA wird als Teil einer umfassenderen Strategie zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der EU gegenüber globalen Akteuren wie China und den USA hervorgehoben. Ausländische Investitionen in den Schlüsselindustrien unterliegen strengen Anforderungen, die Technologieübertragungen und lokale Partnerschaften einschließen. Diese Ansätze bringen allerdings auch die Sorge mit sich, dass neue bürokratische Hürden geschaffenen werden, die insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen belasten könnten, wie die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) warnt.
Zu den geplanten monetären Anreizen gehört die Schaffung von mehr als 600 Millionen Euro an zusätzlichem Wert in der Stahl-, Aluminium- und Zementindustrie bis 2030. Außerdem sollen in der Automobilerzeugungskette bis zu 10,5 Milliarden Euro generiert werden. Dies könnte zehntausende neue Arbeitsplätze zur Folge haben, unter anderem 85.000 in Batterieprojekten und 58.000 in der Solarindustrie.
Ein weiteres wichtiges Ziel des IAA ist die Förderung umweltfreundlicher Technologien. Der Vorschlag wird von der Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen unterstützt, die sich für die Bevorzugung europäischer Hersteller bei öffentlichen Aufträgen einsetzt.
Allerdings bleibt die endgültige Genehmigung des Vorschlags durch die Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament abzuwarten. Derzeit gibt es weiterhin Debatten über die Definition von „europäischer Herkunft“. Es ist klar, dass die EU einen langen Weg vor sich hat, um die Herausforderungen der neuen industriellen Vorgaben erfolgreich zu meistern.