Die EU-Kommission hat ein Verfahren gegen den chinesischen Online-Marktplatz Shein eingeleitet, das erstmals auf Grundlage des Gesetzes über digitale Dienste (Digital Services Act, DSA) basiert. Dies wurde heute bekannt gegeben. Laut Krone handelt es sich um die erste Untersuchung dieser Art gegen das Unternehmen, das als Hersteller, Händler und Marktplatz fungiert. Bei festgestellten Regelverstößen kann die EU-Kommission eine Geldstrafe verhängen.

Die Ermittlungen, die von nationalen Verbraucherschutzbehörden unter Aufsicht der Kommission durchgeführt werden, sollen mögliche Verstöße gegen den europäischen Verbraucherschutz überprüfen. Insbesondere stehen missbräuchliche Vertragsbedingungen und unlautere Geschäftspraktiken im Fokus. Spiegel ergänzt, dass es bislang keine festgelegte Frist für die Dauer des Verfahrens gibt und das Einleiten des Verfahrens nicht bedeutet, dass bereits Beweise für Regelverstöße vorliegen.

Proteste in Frankreich

Shein hat erst Anfang November 2025 eine feste Ladenfläche in Frankreich eröffnet. Bei dieser Eröffnung kam es zu Protesten gegen die Fast Fashion-Politik des Unternehmens, die auf die Arbeitsbedingungen und die ökologische Bilanz des Betreibers hinwiesen. Dies zeigt die zunehmende Kritik an den Geschäftspraktiken von Shein, die insgesamt als wenig nachhaltig gelten.

Die EU-Kommission hat bereits im Juni 2024 detaillierte Informationen von Shein angefordert, um Aufschluss über das Vorgehen gegen illegale Produkte und etwaige Verbrauchermanipulationen zu erhalten. Zeit berichtet, dass Verbraucherschutzverbände insbesondere auch auf die mangelhafte Qualität und irreführende Rücksendeangaben hinweisen. Tests von Verbraucherorganisationen zeigen, dass über 90% der bei Shein verkauften Produkte nicht EU-rechtskonform sind.

Zollkontrollen und Änderungen im Onlinehandel

Um die Einhaltung der Vorschriften bei den Milliarden an Sendungen aus Drittstaaten zu gewährleisten, plant die EU-Kommission verschärfte Zollkontrollen. Diese Maßnahmen umfassen die Einführung einer Gebühr für Sendungen sowie Anforderungen bei der Überwachung der Einhaltung von EU-Vorschriften. Verbraucherschutzkommissar Michael McGrath hat die Dringlichkeit solcher Maßnahmen betont, um die Sicherheit der Waren auf dem Markt zu garantieren.

Insgesamt wird die Diskussion um Shein auch in den Kontext anderer Onlinehändler, wie zum Beispiel Temu, eingeordnet, bei dem bereits problematische Praktiken festgestellt wurden. Wirtschaftsverbände in Deutschland äußern Bedenken über zusätzliche Bürokratie und fordern eine einheitliche Vorgehensweise im Onlinehandel auf EU-Ebene.