Der ÖAMTC hat im Jänner 2026 am „El Prix“ stattgefunden, dem weltgrößten Reichweitentest von Elektrofahrzeugen, der vom norwegischen Automobilverband NAF organisiert wurde. Inmitten extremer Winterbedingungen mit Temperaturen zwischen -8 und -31 °C wurden 24 Elektroautos unter die Lupe genommen. Diese Tests sind entscheidend, um die tatsächliche Reichweite und Leistungsfähigkeit der Elektroautos unter winterlichen Bedingungen zu ermitteln, da sich hier oft große Abweichungen von den Herstellerangaben zeigen.
Kein getestetes Fahrzeug konnte die angegebene WLTP-Reichweite erreichen. Die Abweichungen lagen bei den unterschiedlichen Modellen zwischen 28,9 % und 45,9 %, mit einem durchschnittlichen Rückgang von 37,6 %. So erreichte beispielsweise der Audi A6 mit einer WLTP-Reichweite von 653 km lediglich 402 km, was einer Abweichung von -38,4 % entspricht. Auch der BMW iX und der Lucid Air Grand Touring schnitten schlecht ab, erreichten nur 388 km bzw. 520 km von den angegebenen 641 km und 960 km. Der Test umfasste eine Strecke von Oslo nach Enden, die Stadt-, Landstraße- und Autobahnabschnitte beinhaltete, und die Heizung war während der Fahrt in Betrieb, was die Reichweite weiter einschränkte.
Reichweitenvergleich und Ladezeiten
Aus dem Test wurden auch positive Erkenntnisse über die Ladezeiten gewonnen. 13 der 24 getesteten Fahrzeuge erreichten 80 % Ladezustand in weniger als 30 Minuten. Sechs Modelle luden sogar schneller als die Herstellerangaben. Es zeigte sich, dass eine gut temperierte Batterie essenziell für den Ladevorgang war, selbst bei Temperaturen um -10 °C an den Ladestationen. Während dieser Tests war die Ladeleistung auch abhängig vom Batteriestand bei Beginn des Ladevorgangs, der in der Regel unter 10 % lag.
Die Ergebnisse der Winterausgabe des El Prix bestätigen die Befunde aus dem ADAC-Test, bei dem 14 Elektroautos unter realistischen Bedingungen hinsichtlich ihrer Reichweite und Nachladefähigkeit geprüft wurden. Dabei mussten alle Fahrzeuge mindestens zwei Ladestopps für eine Strecke von 582 km einlegen. Der Audi A6 Avant e-tron schnitt am besten ab mit 441 km, gefolgt vom Tesla Model Y, das mit einem Verbrauch von 22,2 kWh/100 km als der effizienteste eigenboxierte Stromer gilt.
Marktentwicklungen und Zukunftsaussichten
Der El Prix wird zweimal jährlich durchgeführt, im Jänner und im Juli. Laut NAF-Sprecher Nils Sødal zeigen die großen Abweichungen von den offiziellen Reichweiten besonders bei Familien-Pkw auf, dass der Markt eine klare Entwicklung hin zu Ladegeschwindigkeit, Verbrauchseffizienz und der Verfügbarkeit von Ladestationen anstreben könnte. Während E-Autos mit großen Akkus tendenziell höhere Reichweiten bieten, sind sie auch häufig teurer. Fahrzeuge wie der Hyundai Ioniq 9 und die MG-Modelle wiesen die geringsten Abweichungen von den Herstellerangaben auf, was auf Fortschritte in der Technologie hinweist.
Insgesamt bleibt die Diskussion um Reichweite und Praktikabilität von Elektrofahrzeugen relevant, insbesondere mit Blick auf die winterlichen Testbedingungen. Die bevorstehenden Tests und Entwicklungen könnten denn auch entscheidend dafür sein, wie die Elektromobilität weiter an Bedeutung gewinnt.