Die Diskussion um eine nachhaltige Finanzierungsstrategie für die Pflege gewinnt in Österreich zunehmend an Bedeutung. Bei einer Tagung des Gemeindebundes äußerte die Verwaltungsexpertin Mitterer, dass die aktuellen Strukturen unzureichend seien und eine Reform dringend notwendig sei. Sie wies darauf hin, dass die finanziellen Belastungen für die Langzeitpflege in den kommenden Jahren erheblich steigen werden, laut einer langfristigen Budgetprognose des Finanzministeriums von 1,5% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2024 auf 2,8% im Jahr 2060. Diese alarmierenden Zahlen erfordern ein schnelles Handeln und eine klare Strategie zur Finanzierung der Pflegeangebote.

Der steirische Gemeindebundpräsident Erwin Dirnberger und sein Kollege Dörfel unterstützen die Einführung einer Pflegeversicherung. Sie betonen die Notwendigkeit privater Kostenbeiträge und fordern eine Pflichtversicherung. „Man versichert alles im Leben, außer das Altern“, sagte Dörfel. Beide Politiker erachten es zudem als sinnvoll, Teile des 13. und 14. Pensionsbezugs von Pflegebedürftigen zur Finanzierung von Pflegeheimen zu verwenden.

Reformansätze und Herausforderungen

Die Diskussion um die Reformansätze erstreckt sich auch auf die komplexe Pflegefinanzierung, die Länder, Bund und Gemeinden einbezieht. Mitterer stellte verschiedene mögliche Lösungen vor: Vermögensbezogene Steuern, die Reduzierung von Ausgaben in anderen Bereichen und die Einführung einer Pflegeversicherung wurden als zentrale Punkte genannt. Der Bedarf an einer klaren Klärung der Rollen von Bund, Ländern und Gemeinden in der Pflegefinanzierung ist dringend gegeben, da Gemeinden häufig zahlen, ohne Einfluss auf die Entscheidungen nehmen zu können.

Des Weiteren gibt es Vorschläge zur Anpassung des vertikalen Schlüssels beim Finanzausgleich, um eine gerechtere Verteilung der Steuerzeile zu erreichen. Diese Maßnahmen könnten auch mit Steuerungszielen verknüpft werden, um die Effizienz in der Pflege zu steigern. Der Gemeindebund plant die Erstellung eines Pflege-Strategiepapiers, um eine langfristige Strategie zur Sicherstellung der Pflegefinanzierung zu entwickeln.

Vergleich zur Pflegeversicherung in Deutschland

Ein Blick auf Deutschland zeigt ähnlichen Herausforderungen in der Pflegefinanzierung. Seit der Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 1995 ist die Zahl der Pflegebedürftigen dort drastisch angestiegen. Ende 2023 lebten rund 5,7 Millionen Menschen in Deutschland mit Pflegebedarf, wobei die Mehrheit über 60 Jahre alt ist. Eine umfassende Pflegeinfrastruktur, insbesondere im privaten Sektor, ist weiterhin erforderlich, da die Nachfrage nach Pflegeleistungen kontinuierlich wächst.

Das System der Pflegeversicherung in Deutschland umfasst alle gesetzlich und privat Versicherten, jedoch sind auch hier die Beitragssätze der Pflegebedürftigen hoch. Trotz eines bestehenden Systems bleibt der Druck auf die finanziellen Ressourcen in der Pflege auch im Nachbarland bestehen. So prognostiziert das Statistische Bundesamt eine Zunahme der Pflegebedürftigkeit auf etwa 6,8 Millionen bis 2055.

Angesichts dieser Entwicklungen wird deutlich, dass sowohl Österreich als auch Deutschland innovative Ansätze benötigen, um die Pflege zukünftig nachhaltig zu finanzieren und eine angemessene Versorgung der älteren Generation zu gewährleisten.

Für weitere Informationen zur Pflege in Österreich sind die entsprechenden Regelungen unter oesterreich.gv.at zu finden. Ein vertiefter Einblick in die Entwicklungen der Pflege in Deutschland bietet Statista.

Die Fragen der Pflegefinanzierung und der demografischen Entwicklung stellen für beide Länder eine große Herausforderung dar, die nur mit einem koordinierten Ansatz und einer gemeinsamen Strategie bewältigt werden kann.