Disney hat am 14. Februar 2026 eine Unterlassungserklärung an ByteDance geschickt, nachdem die KI-Software Seedance 2.0 durch die Erzeugung von Videoclips, die unerlaubt Figuren aus dem „Star Wars“- und Marvel-Universum verwenden, in die Schlagzeilen geraten ist. Die Vorwürfe wurden von verschiedenen Branchenkreisen bestätigt, darunter ein Bericht von Axios.
Das jüngste Video, das von Seedance 2.0 veröffentlicht wurde, zeigt eine fiktive Auseinandersetzung zwischen Tom Cruise und Brad Pitt auf einem Hausdach. Disney wirft ByteDance vor, für den Rechenprozess eine unlizenzierte Datenbank verwendet zu haben, die systematisch geschützte Werke des Unternehmens enthält. Dies ermöglicht es der Software, bekannte Figuren wie Mickey Mouse oder Darth Vader detailgetreu zu reproduzieren.
Rechtsstreit um Urheberrecht
In der Unterlassungserklärung fordert Disney die sofortige Einstellung des Betriebs von Seedance 2.0 und beruft sich auf den Schutz des geistigen Eigentums. Der Konzern sieht in diesem Vorgehen eine direkte Urheberrechtsverletzung. Charles Rivkin, der Chef der Motion Picture Association (MPA), hat ByteDance ebenfalls aufgefordert, die Urheberrechte zu wahren. Bislang hat sich ByteDance nicht zu den Vorwürfen geäußert.
Generative KI-Modelle wie Seedance 2.0 haben sich in den letzten Jahren erheblich weiterentwickelt und können hochauflösende Videosequenzen aus Texteingaben erstellen. Diese Modelle analysieren umfangreiche Datenmengen während ihrer Trainingsphase, was zu komplexen, kreativen Outputs führt, die nahe an geschützten Werken sind. Wie eine aktuelle Analyse zeigt, ist die Grenze zur Urheberrechtsverletzung oft schwer zu ziehen, und Nutzer haben Schwierigkeiten, rechtswidrig hergestellte Werke zu erkennen.
Das Verbraucherportal BW erläutert zudem, dass es bei der Beurteilung von Urheberrechtsverletzungen darauf ankommt, ob der Output der KI dem urheberrechtlich geschützten Material ähnelt. Bei sehr ähnlichen Inhalten ist die Wahrscheinlichkeit einer Urheberrechtsverletzung hoch, während eine signifikante Veränderung in den Outputs dies vermeiden könnte.
Kreativität im Zeitalter der KI
In der Branche gibt es neben rechtlichen Auseinandersetzungen auch Bedenken über die Auswirkungen von KI auf menschliche Kreativität. Netflix-Contentchefin Bela Bajaria äußert sich unbesorgt und betont, dass Emotionen und Geschichtenerzählen von KI nicht ersetzbar sind. Netflix selbst nutzt KI bisher punktuell in einigen Produktionen und ist gleichzeitig im Wettstreit um die Übernahme von Warner Brothers gegenüber Paramount.
Disney hat zudem im letzten Jahr eine Lizenz an OpenAI vergeben, die es ermöglicht, Disney-Figuren in deren KI-gestützter Software Sora zu verwenden. In diesem Kontext investierte Disney eine Milliarde Dollar in die KI-Firma, was den verstärkten Trend zurIntegration von KI in die kreativen Prozesse der Unterhaltungsindustrie unterstreicht.
Die aktuelle Situation verdeutlicht, wie wichtig es für Unternehmen der Unterhaltungsbranche ist, die Balance zwischen der Nutzung neuer Technologien und dem Schutz ihrer kreativen Werke zu finden.