Das Ei ist ein bedeutendes Symbol der Osterzeit und verkörpert sowohl Tod als auch Auferstehung. In der Kunst wird das Ei als Sinnbild für Perfektion, Fruchtbarkeit, Entwicklung, neues Leben, Zerbrechlichkeit und Verlust betrachtet. Besonders hervorzuheben sind die Fabergé-Eier, die von Peter Carl Fabergé auf Bestellung von Alexander III. geschaffen wurden und heute zu den seltenen Kunstwerken der Welt zählen. Diese prächtigen Ostereier wurden ursprünglich von russischen Zaren verschenkt und haben eine interessante Geschichte, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht.
Fabergé begann seine Karriere im Juweliergeschäft, das sein Vater Gustav Fabergé Mitte des 18. Jahrhunderts in St. Petersburg eröffnete. Peter Carl übernahm später die Leitung des Unternehmens und sorgte für einen regelrechten Aufschwung. 1882 stellte er auf der Allrussischen Industrie- und Handwerksausstellung in Moskau aus und erhielt daraufhin Aufträge von Zar Alexander III., der Fabergé den Titel Hofjuwelier verlieh. Das erste Hennen-Ei entwarf Fabergé 1885 als Ostergeschenk für die Zarin, ausgestattet mit einer goldenen Henne, Rubinen und einer Miniaturkrone.
Die Tradition der Fabergé-Eier
Die Tradition, jährlich Ostereier zu verschenken, wurde von Alexander III. eingeführt und von dessen Sohn Nikolaus II. fortgesetzt. Nikolaus II. ließ ab 1895 jährlich zwei Eier für seine Frau und seine Mutter anfertigen. Unter den bekanntesten Fabergé-Eiern sind das goldene Krönungsei (1897) und das Ei mit dem Miniaturzug (1900). Die erste öffentliche Ausstellung der Eier fand 1900 auf der Weltausstellung in Paris statt.
Mit der Abdankung von Zar Nikolaus II. und der darauffolgenden Revolution im Jahr 1917 endete die Tradition jäh. Die Fabergé-Eier wurden konfisziert, viele gingen verloren oder wurden ins Ausland verkauft. Schätzungen zufolge umfasste die Sammlung der Romanows etwa 50 Fabergé-Eier, von denen heute rund 20 bekannt sind. Mehr als zehn dieser Kunstwerke sind noch in Russland zu finden, unter anderem in Museen wie der Eremitage und dem Fabergé-Museum in St. Petersburg. Außerdem gelten sieben Eier als verschollen, darunter das Hennen-Ei mit einem Saphir-Anhänger und das Cherub mit Wagen-Ei.
Kunst und Einfluss des Eis
Aber nicht nur Fabergé hat das Ei als Motiv genutzt. In Hieronymus Boschs „Weltgerichtstriptychon“ aus dem späten 15. Jahrhundert findet sich ein unheimliches Ei mit einem Kopffüßler. Auch der surrealistische Künstler Salvador Dalí verwendete das Ei als zentrales Motiv in seinen Werken und verzierte sogar die Fassade seines Hauses in Portlligat damit. Der Bildhauer Constantin Brâncuși schuf 1927 die Skulptur „La Nouveau-Né II“, die das Ei als Urform des Lebens darstellt. Aktuell ist dieses Werk in der Neuen Nationalgalerie in Berlin zu sehen. Zudem entwarf Arne Jacobsen 1958 den ikonischen „Egg Chair“, der den Sitzenden wie eine schützende Schale umgibt. Jeff Koons arbeitete von 1994 bis 2006 an seiner imposanten Skulptur „Cracked Egg“, die aus spiegelpoliertem Edelstahl gefertigt und beeindruckende zwei Meter hoch ist.
Ein besonderes Beispiel der Fabergé-Eier ist das Winter-Ei, das 2025 bei Christie’s für rund 22,9 Millionen Pfund (ca. 26 Millionen Euro) versteigert wurde. Diese historischen Kunstwerke sind nicht nur Schmuckstücke, sondern auch Zeugnisse einer glorreichen Ära des Zarenreiches und des handwerklichen Könnens von Fabergé, dessen Einfluss bis heute spürbar ist.