Carina Edlinger, gebürtige Bad Ischlerin, hat in den letzten Jahren einige einschneidende Veränderungen in ihrem Leben durchlebt. Aktuell startet sie für Tschechien und gewann bei den Paralympics 2026 eine Silbermedaille im Biathlon-Sprint. Ihre sportliche Karriere ist bereits von zahlreichen Erfolgen geprägt, darunter eine Gold- und eine Bronzemedaille bei den Paralympics in Peking, während sie damals für Österreich antreten konnte. Doch hinter diesen Leistungen verbirgt sich eine dunkle Geschichte, die Edlinger nun an die Öffentlichkeit bringt. Laut Forbes Austria wurde sie zwei Wochen vor dem Gewinn ihrer Goldmedaille sexualisiert und bestätigte, dass sie seitdem stark unter dem Erlebnis leidet, trotz ihrer Erfolge.
In einem Interview äußerte Edlinger, dass sie das Trauma mit Hilfe ihres Hundes und durch Therapiefortschritte verarbeiten konnte. Nach den Paralympics in China war sie 14 Wochen in Therapie, um ihren mentalen Zustand zu stabilisieren. Edlinger kritisierte zudem, dass über psychische Gesundheit im Sport häufig nicht offen gesprochen werde, und verleiht damit einem immer wichtiger werdenden Thema der Athletengemeinschaft Gewicht.
Nationenwechsel und öffentliche Reaktionen
Der Wechsel von Edlinger von der österreichischen zur tschechischen Nationalmannschaft war nicht nur ein sportlicher, sondern auch ein emotionaler Schritt. Sie hat ihren Namen in Edlingerova geändert, um ihre neue Zugehörigkeit zu betonen. Dieser Wechsel führte jedoch zu einem enormen Gegenwind und hässlichen Hasskommentaren in den sozialen Medien. Aus Selbstschutz hat sich die Paralympics-Siegerin daher aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und liest keine negativen Kommentare mehr, wie Salzburg24 berichtet.
Edlinger, die insgesamt 17 Medaillen für Österreich gewonnen hat, darunter einen Paralympics-Gold und fünf Weltmeistertitel, gibt an, der Wechsel sei aus sportlichen Gründen und wegen mangelhafter Unterstützung im Verband notwendig gewesen. In der aktuellen Saison steht sie im Biathlon-Gesamtweltcup auf dem zweiten Platz und kämpft, trotz eines eingeschränkten Sehvermögens von nur zwei Prozent, erfolgreich um Spitzenplätze. Dabei nutzt sie ein mobiles Schießgerät, das ihr hilft, über das Gehör zu zielen.
Mentale Gesundheit im Hochleistungssport
Edlingers Erfahrungen spiegeln einen übergreifenden Trend im Leistungssport wider, wo psychische Gesundheit und das Wohlergehen von Athleten zunehmend in den Fokus rücken. Am 10. Oktober ist der Welttag für psychische Gesundheit, an dem das Bewusstsein für die Belastungen, die Sportler zu tragen haben, gestärkt werden soll. Oft stehen sie unter erheblichem Leistungsdruck, haben Angst vor Verletzungen oder dem Verlust von Kaderplätzen. In einem Artikel von Sportschau wird erwähnt, dass viele Athleten aufgrund von Angst davor, dass ein offenes Gespräch über ihre Probleme negative Auswirkungen auf ihre Karriere haben könnte, zögern, über ihre mentalen Anliegen zu sprechen.
Edlinger betont, dass die Stigmatisierung psychischer Probleme im Sport abnehmen müsse. Es sei notwendig, mehr präventive Maßnahmen und Unterstützungsangebote zu schaffen, um Athleten in Krisenzeiten zu helfen. Sie erhält Unterstützung von einem Sportpsychologen und ihrer Rechtsanwältin. Dennoch bleibt die Herausforderung bestehen, dass viel finanzielle Mittel in die körperliche Leistungsoptimierung fließen, während psychologische Betreuung oft unterfinanziert und schwer zugänglich ist.