Im Jahr 2024 hat das Bundesheer in Österreich eine umfassende psychologische Begutachtung für 51.902 Personen durchgeführt. Dies entspricht einer durchschnittlichen Zahl von etwa 142 Testungen täglich, die darauf abzielen, die bestgeeigneten Soldaten und Bediensteten für verschiedene Funktionen zu identifizieren. Verteidigungsministerin Klaudia Tanner hebt die zentrale Rolle der psychologischen Diagnostik für die Einsatzbereitschaft des Bundesheeres hervor.
Ein Großteil der Testungen, etwa 45.000, entfallen auf den Bereich der Stellungspflichtigen in den Ergänzungsabteilungen der Militärkommanden. Aber auch spezifische Gruppen wurden gezielt untersucht. So nahmen rund 1.400 Personen an der allgemeinen Kadereignungsuntersuchung im Heerespersonalamt teil. Zudem wurden etwa 1.300 Bewerber auf ihre Eignung für Auslandseinsätze sowie sicherheitspolizeiliche Assistenzeinsätze geprüft.
Bereiche der Eignungsüberprüfung
Die Eignungsüberprüfung umfasst mehrere Schlüsselbereiche. Dazu zählt der Dienst mit der Waffe sowie der Hochsicherheits- und Hochrisikobereich, beispielsweise für Einsatzkräfte wie das Jagdkommando oder den Flugdienst. Ein wichtiger Schritt ist die psychologische Auswahl, die nach einem Vorfall im Jahr 1978 – bei dem ein Soldat zwei Kameraden erschoss – als notwendig erachtet wurde. Das Auswahlverfahren für Auslandseinsätze nimmt in der Regel zwei Tage in Anspruch und beinhaltet Tests zur psychischen Leistungsfähigkeit, Belastbarkeit und sozialen Kompetenz.
Zu den Tests zählen unter anderem sprachliche Fähigkeiten, Gedächtnis und das schlussfolgernde Denken. Darüber hinaus helfen Fragebögen, das Persönlichkeitsprofil, die psychische Gesundheit und das soziale Umfeld der Bewerber umfassend zu erfassen. Anschließend folgt eine neunstündige Belastungsphase, in der sowohl Einzel- als auch Gruppenaufgaben gelöst werden müssen. Teamfähigkeit wird hierbei als entscheidende Kernkompetenz bewertet, da die Lebensbedingungen während eines Auslandseinsatzes nur begrenzte soziale Rückzüge zulassen.
Psychologische Unterstützung und Untersuchungen
Die psychologischen Tätigkeiten im Bundesheer sind vielseitig. Neben Eignungstestungen und Auswahlverfahren werden auch klinisch-psychologische Betreuungen sowie Notfall- und Arbeitspsychologie angeboten. Im Jahr 2024 wurden insgesamt 2.272 klinisch-psychologische Untersuchungen und Behandlungen durchgeführt. Zudem wurden 277 Gespräche über die Psychologische Helpline geleitet und über 24.622 standardisierte Befragungen zur Qualitätssicherung und Weiterentwicklung der psychologischen Verfahren durchgeführt.
Ein abschließendes Gespräch mit einem Psychologen findet nach den Tests statt, wobei auch Themen wie der Umgang mit Alkohol besprochen werden. Übermäßiger Alkoholkonsum kann die psychische Einsatzbereitschaft erheblich beeinträchtigen. In der Regel erhalten die Bewerber nachvollziehbare Ergebnisse der psychologischen Untersuchungen. Rund 90 Prozent der jährlich untersuchten knapp 3.000 Soldaten bestehen diese Tests erfolgreich.
Die psychologische Fitness steht im Zentrum des Erfolgs von Einsätzen, die als erfolgreich bewertet werden. So kehrten im Dezember 2009 die letzten österreichischen Soldaten aus dem Tschad zurück, nachdem rund 1.700 Angehörige des Bundesheeres an diesem Einsatz teilgenommen hatten. Auch hier wurde die Bedeutung der psychologischen Eignungsüberprüfung erkannt, um die Anforderungen unter extremen Umweltbedingungen erfolgreich zu bewältigen.
Für weitere Informationen zur Eignungsprüfung im Bundesheer und den verschiedenen Tests ist die Webseite karriere.bundesheer.at hilfreich.
Für eine detaillierte Übersicht der psychologischen Testverfahren und deren Wichtigkeit berichtet ots.at über die aktuellen Entwicklungen, während bmlv.gv.at einen tieferen Einblick in die psychologischen Grundvoraussetzungen bietet.