Ab Herbst erhalten in Österreich insgesamt 400 Brennpunktschulen durch den Chancenbonus zusätzliche Unterstützung, wie oe24 berichtet. Das Programm sieht die Schaffung von 800 zusätzlichen Planstellen vor, wobei der Großteil dieser Stellen in Wien angesiedelt ist. Wien weist die meisten Volks- und Mittelschulen auf, die mit ungünstigen Lernvoraussetzungen konfrontiert sind.
In Wien-Favoriten stehen 35 Schulen unter dem Chancenbonus; in Graz sind es 32 und in Linz 27. Besonders betroffen sind auch die Stadtteile Floridsdorf mit 25 Chancenbonus-Schulen. Die Bildungs- und Lernerfolge der Kinder hängen stark von der sozialen Herkunft und der Bildung ihrer Eltern ab. Schulen mit einem hohen Anteil an Migrantenkindern, die oft aus bildungsfernen Familien stammen, zeigen laut Statistiken im Vergleich durchschnittlich 22 Lernmonate geringere Leistungen im Lesen.
Finanzielle Unterstützung und soziale Kriterien
Wien profitiert mit insgesamt 228 geförderten Schulen, bestehend aus 135 Volksschulen und 93 Mittelschulen, gefolgt von Oberösterreich mit 59 Schulen. In ganz Österreich werden 244 Volksschulen und 156 Mittelschulen im Rahmen des Chancenbonus-Programms unterstützt. Bildungsminister Christoph Wiederkehr hat betont, dass für dieses Programm jährlich 65 Millionen Euro bereitgestellt werden, um die Potenziale der Kinder zu fördern.
Die Vergabe der Mittel erfolgt auf Basis sozioökonomischer Daten (SÖL) von Statistik Austria, welche Faktoren wie Migrationshintergrund, Alltagssprache sowie Bildungsstand, Erwerbsstatus und Einkommen der Eltern berücksichtigt. Schulen, die in den niedrigsten SÖL-Kategorien eingeordnet sind, erhalten besonders viel Unterstützung. In Wien fallen 58% der Volksschulen in die SÖL-Kategorien eins und zwei, während der bundesweite Durchschnitt nur bei 13% liegt.
Herausforderungen für Brennpunktschulen
Die sogenannten Brennpunktschulen stehen oftmals vor besonderen Herausforderungen. Bahar Aslan erklärt, dass viele dieser Schulen sich in strukturschwachen Quartieren befinden, in denen hohe Arbeitslosigkeit und Armut vorherrschen. Kinder, die diese Schulen besuchen, wachsen häufig unter schwierigen Bedingungen auf, was ihre Bildungschancen stark einschränkt. Aslan kritisiert die gesellschaftliche Wahrnehmung dieser Schulen, die häufig mit Vorurteilen und rassistischen Debatten verbunden ist.
Darüber hinaus wird festgestellt, dass viele Lehramtsanwärter*innen sich nach Hospitationen in Brennpunktschulen nicht mehr für diese entscheiden, oft aus Ängsten vor den Herausforderungen dieser Schulumgebungen. Ohne einen positiven Bezug zu Institutionen und adäquate Unterstützung können Kinder aus bildungsbenachteiligten Verhältnissen nur schwer Zugang zu hochwertigen Bildungschancen finden.
Die Digitalisierung in Schulen bringt sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich. Aslan fordert, dass die digitale Ausstattung verbessert werden muss, um allen Schüler*innen gerecht zu werden. Bildungspolitik müsse ihrer Verantwortung gerechtwerden und mehr leisten, um den Bedürfnissen aller Kinder nachzukommen und Chancengleichheit zu fördern.

