Am Neujahrstag 2026 hat Cornelia Richter, die erste evangelisch-lutherische Bischöfin in Österreich, in ihrem ersten „Wort zum Neuen Jahr“ auf ORF 2 einen respektvollen und offenen Umgang bei unterschiedlichen Meinungen gefordert. In ihrer Ansprache, die am Neujahrsabend ausgestrahlt wurde, sprach sie über die Notwendigkeit, Menschen in ihrer von Gott gegebenen Würde anzuerkennen und thematisierte die angespannte politische sowie ökonomische Lage, die Druck auf die Sozialpolitik ausübt. „Frieden ist möglich, wenn wir es wollen“, so Richter. Die bibelbasierte Jahreslosung für 2026, die besagt „Gott spricht, siehe, ich mache alles neu!“, wurde von ihr als Zeichen für eine Zeitenwende interpretiert.

Die Bischöfin, die erst am 8. November 2025 in einer feierlichen Zeremonie im Wiener MuseumsQuartier in ihr Amt eingeführt wurde, dankte in ihrer Ansprache den Menschen in Österreich, die sich für andere einsetzen, sei es durch Hungerbekämpfung, Unterstützung von Fremden und Obdachlosen oder die Hilfe für Einsame und Kranke. Ihre erste Ansprache als Bischöfin fand im Evangelischen Realgymnasium in Wien-Donaustadt statt, wo sie die Vielfalt des Lebens betonte und eine freundliche, sanftmütige und respektvolle Auseinandersetzung auch bei Meinungsverschiedenheiten anmahnt.

Engagement für zukünftige Generationen

Richter, die gebürtige Oberösterreicherin ist, hat viele Jahre als Theologieprofessorin in Bonn gearbeitet, bevor sie in das höchste Amt der Evangelischen Kirche A.B. gewählt wurde. Als Nachfolgerin von Bischof Michael Chalupka ist es ihr wichtig, die Bedürfnisse und Lebensformen junger Menschen in die kirchliche Arbeit einzubeziehen. Sie plant, ab Jänner 2026 Gemeinden in ganz Österreich zu besuchen, um herauszufinden, wie die Kirche Menschen aller Altersgruppen besser unterstützen kann.

In ihrer Einführung als Bischöfin, die live auf ORF 2 übertragen wurde, interessierte sich Richter besonders für Themen wie Krieg, Rassismus, Tier- und Umweltschutz, die auch die jüngere Generation beschäftigen. „Die Verantwortung der Erwachsenen für die Zukunft der Kinder ist enorm“, äußerte sie. Mit ihren Erfahrungen aus der Arbeit mit jungen Generationen von 19 bis 40 Jahren möchte sie einen lebensnahen und gegenwartsnahen Glauben vermitteln und zur Verbesserung der Gesellschaft beitragen.

Ein Signal für Frauen in Führungsrollen

Die Wahl von Cornelia Richter wird als gesellschaftliches Zeichen für Frauen in männerdominierten Feldern gewürdigt und hat Vorbildwirkung. Ihr theologisches und menschliches Wirken wurde im Gottesdienst von Michael Chalupka, der ihm übergab, gewürdigt. Die Unterstützung durch prominente Gratulanten, wie Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Sozialministerin Korinna Schumann, unterstreicht die Bedeutung ihres Amtsantritts für die evangelische Gemeinde und darüber hinaus.

Richter sieht das Bischofsamt nicht als Karriereschritt, sondern vielmehr als höchste Anerkennung ihrer Arbeit als Theologin und geistliche Amtsträgerin. Die Ausstellung „Her mit den PortrAIts“ an der Universität Bonn, die Pionierinnen der Wissenschaft würdigt, hat sie ebenfalls in ihren Reihen aufgenommen.

Der Aufruf, Utopien als positive Gegenentwürfe zur Gesellschaft zu betrachten, bildet einen abschließenden Gedanken in ihrem ersten Neujahrswort. Richter schließt mit dem Wunsch, dass „alle Menschen in ihrer Würde anerkannt werden“ und damit ein Zeichen der Hoffnung und des Neuanfangs gesetzt wird.