In der aktuellen Debatte um die Landwirtschaft nimmt die Kritik an der Abhängigkeit von importierten Düngemitteln zu. Olga Voglauer, Landwirtschaftssprecherin der Grünen, äußerte Bedenken hinsichtlich des geplanten Fokus auf die Senkung von Ausgleichszöllen für energieintensiv erzeugte Düngemittel. Sie fordert eine unabhängige und nachhaltige Landwirtschaft, besonders in Anbetracht der gegenwärtigen geopolitischen Unsicherheiten. Die Bio-Landwirtschaft, so Voglauer, spielt eine entscheidende Rolle für die Versorgungssicherheit und trägt zur Preisstabilität bei, da Bio-Betriebe weniger von externen Betriebsmitteln und Zöllen betroffen sind, verglichen mit konventionellen Anbauformen. Darüber hinaus betont sie, dass die Bio-Landwirtschaft in Krisenzeiten stabilisierend wirkt.
Aktuelle Zahlen zeigen, dass der Bio-Ausbau in Österreich stagniert. Voglauer fordert eine drastische Erhöhung des Bio-Anteils im öffentlichen Einkauf, konkret auf mindestens 30 Prozent. Für die nächste GAP-Periode wird ein klarer Fokus auf die Förderung von Bio-Landwirtschaft gefordert. Außerdem setzt sich Voglauer für eine schnelle Lösung zur Unterstützung von Betrieben ein, die auf biologische Bewirtschaftung umsteigen möchten, um damit die Abhängigkeit von Importen zu reduzieren und die Resilienz der Landwirtschaft zu stärken.
Strategien und Ziele
Diese Themen sind nicht nur in Österreich von Bedeutung. Die Bundesregierung in Deutschland verfolgt ein ähnliches Ziel: Bis 2030 sollen 30 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ökologisch bewirtschaftet werden. Dies wurde im Rahmen der „Bio-Strategie 2030“ festgelegt, die am 16. November 2023 vorgestellt wurde. Im Fokus der Strategie steht die Beseitigung von Hürden in der Produktion, Verarbeitung und dem Handel von Bio-Lebensmitteln. Dabei soll der Umstieg auf den Bio-Anbau erleichtert und die Marktentwicklung stabilisiert werden.
Die Bio-Strategie 2030 ist nicht nur ein ehrgeiziges Programm, sondern auch ein Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt und Biodiversität. Die ökologischen Betriebe weisen niedrigere Treibhausgasemissionen pro Flächeneinheit auf. Zudem fördert der ökologische Landbau den Humusaufbau und das Tierwohl, während gleichzeitig auf Mineraldünger und chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel verzichtet wird. Auf diese Weise kann der fossile Energiebedarf erheblich reduziert werden und jährlich bis zu 800 Euro an Umweltkosten pro Hektar eingespart werden.
Gemeinsame Wertschöpfung im Bio-Sektor
Mit der Bio-Strategie 2030 verfolgt die Bundesregierung eine umfassende nationale Strategie, die verschiedene Handlungsfelder abdeckt. Dazu gehören der Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten sowie die stärkere Einbindung der Außer-Haus-Verpflegung, etwa in Kitas, Schulen und Restaurants, zur Förderung von Bio-Lebensmitteln. Bisherige Maßnahmen wurden überprüft, und es wurden neue Handlungsfelder identifiziert. Die Strategie fördert zudem die Partizipation aller relevanten Stakeholder, um eine breite Akzeptanz und Umsetzung der Maßnahmen sicherzustellen.
Die Priorisierung der Bio-Landwirtschaft könnte nicht nur eine nachhaltige Entwicklung in der Landwirtschaft sichern, sondern auch als wichtiger Schritt zur Krisenfestigkeit in der Ernährung dienen. In einer Zeit, in der die globalen Herausforderungen in der Lebensmittelproduktion zunehmen, erweist sich die Umstellung auf ökologische Anbaumethoden als zukunftsweisend. Die kommenden Jahre werden entscheidend sein, um die gesteckten Ziele zu erreichen und das Potenzial der Bio-Landwirtschaft voll auszuschöpfen.
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