Der Bildungsbereich steht vor einer entscheidenden Umbruchphase, die auch von der politischen Ebene angesprochen wird. Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) hat für das laufende Schuljahr eine „echte Aufholjagd in der Bildung“ angekündigt, um die teils besorgniserregenden Zustände an Schulen zu verbessern. Diese Ankündigung umfasst das Versprechen, die Bürokratie zu reduzieren und mehr Unterstützung durch Deutschförderkräfte sowie Schulpsychologie und -sozialarbeit zu bieten. Dennoch bleibt die Umsetzung dieser Vorschläge fraglich, wie Paul Kimberger (FCG), der oberste Lehrervertreter, äußerte. In der Praxis sei wenig von den Ankündigungen spürbar, was die Frustration unter den Lehrern weiter erhöht.

Das Ministerium hat zu Beginn des Schuljahrs 80 Prozent seiner Erlassregelungen gestrichen, doch viele Schulen berichten, dass sie davon keine spürbare Entlastung erfahren haben. Einige Regelungen wurden mittlerweile wieder in Kraft gesetzt, wie der Aufsichtserlass zur Aufsichtspflicht, der den Schulen notwendige Rechtssicherheit gibt. Die im Raum stehende Ankündigung, 1.300 zusätzliche Deutschförderkräfte einzustellen, wird von den Schulen als unklar wahrgenommen, insbesondere in Bezug auf die Besetzung dieser Stellen. Darüber hinaus müssen Schulen bis Mitte April ein Sprachförderkonzept entwickeln, was zusätzlichen Aufwand bedeutet.

Bürokratieabbau und digitale Lösungen

Im Rahmen der Bestrebungen, den Bildungssektor zu modernisieren, wird in Bayern auch der Bürokratieabbau vorangetrieben. Die BayernCloud Schule (ByCS) bündelt digitale Anwendungen für Unterricht, Kommunikation und Verwaltung auf einer zentralen, rechtssicheren Plattform. Diese Plattform ist speziell auf die Bedürfnisse bayerischer Schulen abgestimmt und soll den Verwaltungsaufwand erheblich senken, sodass mehr Zeit für die pädagogische Arbeit bleibt. Lehrkräfte erhalten Zugriff auf alle Anwendungen über einen Single Sign-On, was die Nutzung vereinfacht. Die ByCS umfasst unter anderem Cloud-Speicher, Videokonferenzdienste und eine Lernplattform, die den Lehrern bei der digitalen Integration direkt helfen.

Des weiteren wird die Noten-Erfassung Online (NEO) an 500 Schulen eingeführt und ermöglicht eine orts- und geräteunabhängige Noteneingabe. Dies ergänzt die digitalen Zeugnisse und unterstütz die Administration erheblich. Die Plattform wird bis Ende des Schuljahres 2025/2026 auch um KI-basierte Funktionen erweitert, darunter eine länderübergreifende Chatbot-Lösung. Damit wird nicht nur der administrative Aufwand verringert, sondern auch die Lehrerfortbildung gestärkt.

Perspektiven des Digitalpakts 2.0

Eine dringende Modernisierung wird auch auf Bundesebene vorangetrieben. Am 18. Dezember 2025 einigten sich die Bildungsminister der 16 Länder sowie die Bundesbildungsministerin Karin Prien auf den Digitalpakt 2.0. Dieser Pakt sieht Investitionen von insgesamt 5 Milliarden Euro zur Bildungsmodernisierung bis 2030 vor, wobei die Mittel zur Hälfte von Bund und Ländern bereitgestellt werden. Der Bund wird 2,5 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen „Infrastruktur und Klimaneutralität“ zur Verfügung stellen.

Der Digitalpakt 2.0 soll den Verwaltungsaufwand für Kommunen und Schulträger senken und Bürokratie abbauen. Ein zentrales Ziel ist es, digitale Bildung für alle Schülerinnen und Schüler zu fördern. Die Fortbildung von Lehrkräften wird zudem verstärkt, um die digitale Transformation im Unterricht zu unterstützen. Dies bringt die Möglichkeit mit sich, dass Schulen und Lehrer von den vorangegangenen Erfahrungen des Digitalpakts Schule, der zwischen 2019 und 2024 6,5 Milliarden Euro in die digitale Ausstattung investierte, profitieren können.

Während die politischen Ankündigungen für Optimismus sorgen, bleibt abzuwarten, inwiefern diese Maßnahmen tatsächlich zu spürbaren Verbesserungen in den Schulen führen werden. Aktuelle Rückmeldungen der Lehrer und der Schulfunktionäre deuten darauf hin, dass der Weg zu einer effektiveren und weniger bürokratischen Bildungslandschaft noch lang ist.