Belgien hat kurzfristig einen Öltanker der russischen Schattenflotte gekapert. Die Operation, die von den belgischen Streitkräften mit Unterstützung Frankreichs durchgeführt wurde, führte zur Beschlagnahme des Tankers, der nun zum Hafen von Seebrügge eskortiert wird. Die belgische Regierung gab bekannt, dass Verteidigungsminister Theo Francken die Informationen über den erfolgreichen Einsatz auf der Plattform X teilte. Premierminister Bart de Wever gratulierte dem Militär und dankte den französischen Partnern für ihre Unterstützung.

Die EU warnt vor den Gefahren, die von der Schattenflotte ausgehen, die zur Umgehung der bestehenden Sanktionen gegen Russland dient. Diese Flotte, die aus älteren Öltankern mit verschleierten Eigentumsstrukturen besteht, hat sich als profitabel und gefährlich erwiesen. Ein Expertenbericht schätzt die Schattenflotte auf 1.000 bis 1.200 Schiffe, wobei zwischen 650 und 700 mit Sanktionen belegt sind. Der französische Präsident Macron hat bereits eine „Koalition der Willigen“ gefordert, um den Einfluss dieser Schiffe zu bekämpfen, da sie auch potenziell für Drohnenangriffe genutzt werden könnten.

Kontext zu Russlands Schattenflotte

Die russische Schattenflotte umgeht den Ölpreisdeckel, den die G7-Staaten als Reaktion auf den Ukraine-Konflikt eingeführt haben. Typische Merkmale dieser Flotte sind häufige Flaggen- und Namenswechsel sowie das Abschalten des Identifikationssystems (AIS). Um den Verbleib der Schiffe zu verschleiern, werden Rohöl und Ölprodukte in meist küstennahen Zonen von einem Schiff auf ein anderes gepumpt. Der Preisdeckel liegt aktuell bei 47,60 US-Dollar pro Barrel, und europäische Häfen bleiben für viele Schattentanker tabu, solange sie keine europäischen Gewässer anlaufen.

Die EU hat Hunderte von Schiffen auf eine Sanktionsliste gesetzt, jedoch leidet die Effektivität dieser Maßnahmen unter der Tatsache, dass viele Schiffe nach wie vor profitabel operieren. Französische Marineschiffe haben beispielsweise den Tanker „Pushpa“ geentert, der 13 Flaggenwechsel in nur drei Jahren hatte. Trotz massiver Anstrengungen bleibt die russische Schattenflotte aktiv und wird weiterhin als ernsthafte Bedrohung angesehen.

Wirtschaftliche Auswirkungen der Sanktionen

Die wirtschaftlichen Folgen der Sanktionen zeigen sich auch in den sinkenden Einnahmen Russlands aus Öl- und Gasexporten. Bis zum 24. Februar 2026 sind diese um 19 Prozent zurückgegangen, was die Gesamteinnahmen aus Exporten fossiler Brennstoffe auf rund 193 Milliarden Euro drückt. Im Vergleich zum Vorjahr und vor Kriegsbeginn sind dies Rückgänge von 19 Prozent und sogar 27 Prozent.

Die EU-Importe von russischen Energieträgern haben um 36 Prozent abgenommen, während auch Indiens und Chinas Einfuhren spürbare Rückgänge verzeichnen. Grund hierfür sind nicht nur die Sanktionen der EU, sondern auch Maßnahmen der US-Behörde OFAC gegen Unternehmen wie Rosneft und Lukoil. Diese Schritte haben die Lieferungen nach Indien spürbar eingeschränkt und beeinflussen die finanzielle Lage Moskaus, das stark auf die Einnahmen aus Energieträgern angewiesen ist, um den Ukraine-Krieg zu finanzieren.

Insgesamt verdeutlicht die jüngste Aktion Belgiens gegen die Schattenflotte, dass die europäische Zusammenarbeit zur Bekämpfung von Sanktionen-Umgehungen intensiviert wird, während die russischen Öl- und Gasexporte inmitten internationaler Druckmaßnahmen weiter sinken.

Weitere Informationen: vienna.at, dw.com, tagesschau.de.