Der Präsident der Landwirtschaftskammer Vorarlberg, Josef Moosbrugger, hat anlässlich der bevorstehenden Landwirtschaftskammerwahl eine drastische Entnahme von Bibern gefordert. In einem Interview mit Landeshauptmann Markus Wallner und Agrarlandesrat Christian Gantner kritisierte er die strengen Tierschutzgesetze sowie die Vielzahl an Kontrollen, unter denen Landwirte leiden müssen. Moosbrugger betonte, dass die Rahmenbedingungen für die Produktion hochwertiger Lebensmittel und die Sicherstellung der Versorgung entscheidend sind.
„Die Landwirte werden bestraft, wenn sie Bäume fällen, während Biber dies ungestraft tun können“, äußerte Moosbrugger und forderte mehr Eigenverantwortung für die Landwirte. In Bezug auf die Wildtierpopulation hob er hervor, dass ein Bibermanagement notwendig sei. Gantner kündigte daher an, dass eine Arbeitsgruppe Maßnahmen entwickeln wird, die von Vergrämung bis zur möglichen Entnahme der Tiere reichen.
Der Biber in Deutschland und Bayern
Der Biber, der im 19. Jahrhundert in Bayern ausgerottet wurde, erfährt seit den 1960er Jahren eine Wiederansiedlung und hat sich mittlerweile stark vermehrt. Schätzungen zufolge beträgt der aktuelle Biberbestand in Bayern etwa 22.000 Tiere in rund 6.000 Revieren, was nahezu eine flächendeckende Besiedlung des Freistaates bedeutet. Das Bayerische Umweltministerium hat vor über zehn Jahren ein effektives Bibermanagement etabliert, dessen Ziel es ist, schadensbedingte Konflikte zu minimieren und einen günstigen Erhaltungszustand der Biberpopulation zu sichern
In Bayern sind die unteren Naturschutzbehörden für das Bibermanagement zuständig, unterstützt durch rund 400 ehrenamtliche Biberberater. Diese arbeiten daran, Lösungen zu finden und Konflikte zu vermeiden, indem sie präventive Maßnahmen umsetzen. Zudem können Landwirte Ausgleichszahlungen für Schäden, die durch die Tiere verursacht werden, beantragen.
Konflikte und Managementmaßnahmen in Baden-Württemberg
Ähnlich wie in Bayern hat auch Baden-Württemberg ein Bibermanagement etabliert, das seit 2004 besteht. Hier wird die Zahl der Biber auf etwa 11.500 geschätzt. Die Besiedelung variiert je nach Region erheblich. Zudem wird erwartet, dass die Biberpopulation weiter steigt, was die Herausforderungen im Zusammenleben mit den Menschen verstärkt.
Zur Konfliktbewältigung hat das Land eine Clearingstelle Biber eingerichtet, die 2025 in Betrieb geht und Unterstützung bei schwierigen Konflikten bieten soll. Innovative Instrumente zur Konfliktbewältigung wie Dammdrainagen und Grabschutzmatten werden als wichtige Maßnahmen erachtet. Bei schwerwiegenden Problemen ist es möglich, Biber in definierten Bereichen ohne vorherige Genehmigung zu entnehmen, wenn keine zumutbaren Lösungen gefunden werden können.
Die eingerichtete Biber-Verordnung sowie weitere Absprachen zwischen den Behörden sind ein Bestandteil der umfassenden Naturschutz- und Artenschutzstrategie, die Bayern und Baden-Württemberg verfolgen, um eine Balance zwischen Artenschutz und landwirtschaftlichen Belangen zu finden.
Die Diskussion um die Biberpopulation zeigt, wie wichtig es ist, Maßnahmen zu finden, die sowohl den Naturschutz als auch die Interessen der Landwirtschaft berücksichtigen, und es bleibt abzuwarten, wie die Arbeitsgruppe von Gantner die Herausforderungen angehen wird.
Für weitere Informationen können Sie die Artikel von Krone, Bayerns Naturschutz und Baden-Württemberg konsultieren.