Weniger als 0,5 % der möglichen Schäden, die aus einem Super-GAU in Europa resultieren könnten, sind durch Haftpflichtversicherungen abgedeckt. Dies ist das zentrale Ergebnis einer Diskussion, bei der zehn Atomkraftgegner aus sieben EU-Staaten mit Vertretern der Generaldirektion Energie zusammenkamen. Jan Panek, der Direktor für Atomenergie, und rund zwanzig Experten nahmen an diesem Austausch teil. Die unzureichende Haftpflichtversicherung für Atomkraftwerke bleibt demnach ein drängendes Problem.

Französische Berechnungen gehen davon aus, dass die Schäden eines Super-GAUs in Mitteleuropa auf etwa 530 Milliarden Euro geschätzt werden. In der Praxis sind allerdings je nach Land lediglich zwischen 1,5 und 2,5 Milliarden Euro versichert. Diese Diskrepanz führt dazu, dass EU-Experten die Atomkraftwerke als unkalkulierbare Risiken betrachten. Der Aufwand für die Bewältigung der Folgen eines Super-GAUs zeigt sich bereits an den 70 Milliarden Euro, die nach der Fukushima-Katastrophe benötigt wurden und die die finanziellen Kapazitäten einiger Staaten überforderten.

Haftpflichtkosten für Atomkraftwerke

Unfälle in Atomkraftwerken können immense wirtschaftliche Schäden verursachen, wie die Katastrophe von Fukushima im Jahr 2011 eindrücklich zeigte. Der japanische Betreiber Tepco sah sich in der Folge gezwungen, Staatshilfe zu beantragen, um die dadurch entstandenen Kosten zu decken. Die Schätzung der Entschädigungszahlungen für das Fukushima-Unglück beläuft sich auf etwa 86 Milliarden Euro, ohne die potenziellen Spätfolgen zu berücksichtigen. Eine Untersuchung des Bundesverbands Erneuerbare Energie e.V. hat die Kosten für eine umfassende Haftpflichtversicherung für ein Atomkraftwerk auf etwa 72 Milliarden Euro pro Jahr für 50 Jahre berechnet.

Die Finanzierungsziele sind in Deutschland besonders begrenzt. Dort liegt die Haftpflicht für Betreiber von Atomkraftwerken auf etwa 250 Millionen Euro begrenzt. Vor der Stilllegung der Atomkraftwerke zahlten 17 Betreiber insgesamt unter 20 Millionen Euro jährlich für ihre Haftpflichtversicherung. Laut aktuellen Berechnungen stehen 2,25 Milliarden Euro durch gegenseitige Absicherung der Betreiber bereit. Diese unzureichende finanzielle Absicherung wird unter Experten zunehmend kritisiert.

Kritik an Studien zur Versicherbarkeit

Insbesondere die Methodik der Studie der Versicherungsforen Leipzig, die häufig als Referenz für die Unversicherbarkeit von Kernkraftwerken herangezogen wird, stößt auf erhebliche Kritik. Wolfgang Abele, ein renommierter Versicherungsfachmann, weist auf fundamentale Mängel dieser Studie hin. Die Studie beziffert den maximalen Schaden eines nuklearen Katastrophenfalls in Deutschland auf 6,09 Billionen Euro und legt die Wahrscheinlichkeit eines GAUs auf 1:1000 pro Reaktorbetriebsjahr fest, was hohe Jahresprämien zur Folge hätte. Abele merkt jedoch an, dass die Studie auf veralteten Quellen und fehlerhaften Annahmen basiert.

Zusätzlich wird kritisiert, dass die Studie keine differenzierte Betrachtung zu den Eintrittswahrscheinlichkeiten vornimmt und die höchsten Schätzungen überproportional gewichtet. Schätzungen für die Kollektivdosis und die Bewertung von Krebstodesfällen variieren stark und führen zu weitreichenden Unsicherheiten bei den Schadenssummen. Abele schlussfolgert, dass die Methodik der Studie unangemessen ist und auch unrealistische Spekulationen enthält, um überhöhte Versicherungsprämien zu rechtfertigen.

Die Anti-Atom-Bewegung plant nun, das Thema der Haftpflichtversicherung von Atomkraftwerken erneut auf die politische Agenda zu bringen. Ziel ist es, eine Kostenwahrheit für Atomstrom zu erreichen, die sowohl die finanziellen Risiken als auch die potenziellen sozialen Kosten berücksichtigt. In den Jahren 2013 bis 2016 unterstützten bereits 23.500 Menschen Unterschriftenkampagnen für angemessene Haftpflichtrisiken für AKW-Betreiber.

Insgesamt ist klar, dass die gegenwärtige Regelung der Haftpflichtversicherungen sowohl für die Täter als auch für die Betroffenen von Atomunfällen gravierende Lücken aufweist und dringend überprüft werden muss. [oekonews] berichtet, dass eine angemessene Haftpflichtversicherung für Atomkraftwerke mehr als notwendig ist, um den finanziellen und sozialen Herausforderungen im Falle eines Katastrophenfalls wirksam begegnen zu können. Weitere Informationen über die Kosten und Risiken im Zusammenhang mit Atomkraftwerken finden sich bei [forschung und wissen] und [nuklearia].