Heute ist der 4. März 2026. Anlässlich des 15. Jahrestages der Reaktorkatastrophe von Fukushima und des 40. Jahrestages der Katastrophe von Tschernobyl warnen die Herausgeber*innen des Uranatlas 2026 vor einem neuen nuklearen Wettrüsten. Atomwaffenstaaten modernisieren ihre Arsenale und Trägersysteme, was die Gefahr erhöht, dass weitere Staaten Atomwaffen herstellen könnten. Diese alarmierenden Entwicklungen treiben die Diskussion über die nukleare Rüstungskontrolle voran, wie das Ökonews berichtet.
Die Herausgeber*innen, darunter die Nuclear Free Future Foundation (NFFF), der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Rosa-Luxemburg-Stiftung und .ausgestrahlt, appellieren an die Bundesregierung, einen neuen New-Start-Vertrag und verstärkte Abrüstungsmaßnahmen zu initiieren. Sie weisen darauf hin, dass die zivile Atomkraft eng mit der nuklearen Aufrüstung verknüpft ist; 63 der 65 im Bau befindlichen Atomkraftwerke werden in oder von Atomwaffenstaaten gebaut.
Unterschiedliche Perspektiven zur Atomkraft
Im Kontext dieser geopolitischen Herausforderungen fordert Angelika Claußen von IPPNW den Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland, einschließlich der Beendigung der Urananreicherung und der Produktion von Brennelementen. Währenddessen setzen sich Unionspolitiker*innen für den Bau von Small Modular Reaktoren (SMR) und einen Wiedereinstieg in die Atomkraft ein. Susanne Gerstner vom BUND widerspricht dieser revidierten Atompolitik und kritisiert die Kosten sowie die Wirtschaftlichkeit von SMR-Projekten.
Die Abhängigkeit Europas von der Uran-Industrie, insbesondere von Russland, hat trotz des Ukraine-Kriegs zugenommen. Berichten zufolge ist Rosatom in die Brennelemente-Fertigung am deutschen Standort Lingen involviert. Bettina Ackermann von .ausgestrahlt fordert daher ein Verbot der Kapazitätserweiterung und der Atomgeschäfte mit Russland. In der EU benötigen 19 Reaktoren Brennelemente russischer Bauart, und der US-amerikanische Hersteller Westinghouse ist ebenfalls auf Uranlieferungen von außerhalb angewiesen.
Geopolitische Abhängigkeiten und Umweltauswirkungen
Bernd Riexinger von der Rosa-Luxemburg-Stiftung warnt vor den geopolitischen Abhängigkeiten, die durch die Atomkraft und den Einfluss Russlands über Rosatom entstehen. Die Diskussion über den Uranabbau ist nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine strategische Frage, da fünf große Firmen fast 80% des weltweiten Uranabbaus verantworten. Heinz Smital von Greenpeace kritisiert die Sicherheitsvorschriften für Atomkraftwerke in den USA und weist auf die gesundheitlichen Folgen des Uranbergbaus für First Nations hin. Horst Hamm von NFFF unterstreicht die neokolonialen Strukturen im Uranbergbau und die massiven Schäden für indigene Lebensgrundlagen.
Die Atomwende, die im Jahr 2002 mit dem Atomausstieg der rot-grünen Bundesregierung eingeleitet wurde, sieht einen grundlegenden Wandel in der Energiepolitik vor. Ab dem 15. April 2023 gingen die letzten drei deutschen AKW vom Netz, nachdem das ursprüngliche Abschaltdatum Ende 2022 aufgrund der Energiekrise infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine verschoben wurde. Diese Entwicklung unterstreicht die Notwendigkeit einer sozial-ökologischen Transformation, die die Abhängigkeit von riskanten Energiesystemen verringert und auf erneuerbare Energien setzt, wie im bpb-Dossier festgehalten wird.
In Anbetracht dieser vielschichtigen Herausforderungen bleibt die Frage der Energieversorgung von zentraler Bedeutung. Forschungsprojekte zur Entwicklung neuer Reaktorkonzepte haben eine lange Vorlaufzeit, und die wirtschaftlichen Realität zeigt, dass Atomenergie nicht nur ein Risiko in Krisenzeiten darstellt, sondern auch in Friedenszeiten erhebliche ökonomische und soziale Kosten verursacht.