Am 31. Jänner 2026 wurde Andrea Mattioli feierlich durch Bischöfin Cornelia Richter in ihr neues Amt als Superintendentin der evangelischen Diözese Kärnten-Osttirol eingeführt. Die Zeremonie fand im festlichen Rahmen eines Gottesdienstes in Zlan statt. Mattioli, die am 1. Dezember 2025 ihren Dienst angetreten hat, ist die erste Frau, die diese Position in Kärnten und Osttirol einnimmt. Damit tritt sie in die Fußstapfen des pensionierten Superintendenten Manfred Sauer.

Bei der Einführung waren hochrangige Gäste anwesend, darunter Landeshauptmann Peter Kaiser, Landeshauptmann-Stellvertreterin Gaby Schau­nig, Landeshauptmann-Stellvertreter Martin Gruber sowie Landesrat Sebastian Schuschnig und Landesrätin Beate Prettner. Peter Kaiser zollte Mattioli Respekt und betonte die Notwendigkeit der Zusammenarbeit zwischen Kirche und Politik. „Gemeinsam können wir gesellschaftliche Werte fördern“, erklärte er.

Ein historisches Ereignis

Mattioli nutzte ihre Predigt, um durch Metaphern mit Star Wars-Bezug zu inspirieren, wobei sie zentrale Themen wie Freude, Kraft und Liebe ansprach. Bischöfin Cornelia Richter lobte die kulturelle Vielfalt und die herzliche Art von Mattioli. Diözesanbischof Josef Marketz hob die gute Zusammenarbeit zwischen der evangelischen und katholischen Kirche hervor, während Imam Hasudin Atanović die Wichtigkeit gemeinsamer Werte betonte.

Astrid Körner, Rektorin der Diakonie de La Tour, erinnerte daran, dass die Kirche eine Verantwortung hat, sich um die Bedürftigen zu kümmern. Martin Fischer vom Kultusamt gratulierte herzlich und würdigte die Verdienste von Manfred Sauer. Margarethe Prinz-Büchl bezeichnete die Amtsübernahme von Andrea Mattioli als ein historisches Ereignis für die evangelische Kirche in der Region.

Die Karriere von Andrea Mattioli

Geboren in Neckarsulm, Deutschland, wurde Andrea Mattioli 2002 in Ludwigsburg als Pfarrerin ordiniert. Sie war zuvor als Gemeindepfarrerin und Urlaubsseelsorgerin in Kärnten tätig und amtierte bis Ende November 2025 als amtsführende Pfarrerin des Pfarrgemeindeverbands Zlan-Ferndorf. Ihre Wahl zur Superintendentin fand am 26. April 2025 durch über 90 Delegierte statt. In ihrer neuen Rolle wird Mattioli die dritte Superintendentin in der Geschichte der Evangelischen Kirche in Österreich.

Die evangelische Superintendentur Kärnten-Osttirol umfasst 33 Pfarrgemeinden mit rund 41.000 Mitgliedern. Mattioli ist verheiratet und Mutter von drei Söhnen.

In einem größeren gesellschaftlichen Kontext ist die Wahl einer Frau in eine Führungsposition wie die von Andrea Mattioli von besonderer Bedeutung. Bei einer kürzlich stattgefundenen Podiumsdiskussion im Wiener Otto-Mauer-Zentrum, die sich dem Thema „Frauen in kirchlichen und politischen Leitungspositionen“ widmete, wurde die Notwendigkeit betont, mehr Frauen in Führungsrollen zu fördern. Oberkirchenrätin Ingrid Bachler stellte fest, dass es in der Evangelischen Kirche zwar ökonomische Gleichstellung gibt, jedoch viele Männer oft aus ökonomischen Gründen nicht die angebotenen Papamonate in Anspruch nehmen. Auch die Katholische Kirche zeigt, laut Veronika Prüller-Jagenteufel, noch Nachholbedarf in der Gleichstellung von Frauen in Führungspositionen.

Die bedeutende Rolle von Frauen in der Kirche wurde durch die Diskussion, an der auch andere Experten teilnahmen, weiter unterstrichen. Es bleibt zu hoffen, dass Mattioli als Superintendentin einen positiven Einfluss auf die Gleichstellung von Frauen in kirchlichen Ämtern ausüben wird.