András Viskys Roman „Die Aussiedlung“ ist eine eindringliche Auseinandersetzung mit den Erlebnissen seiner Familie während der Deportation in die Bărăgan-Steppe, Rumänien, in den späten 1950er Jahren. Die deutsche Übersetzung von Timea Tankó hat bereits eine hohe Anerkennung gefunden und wurde für den renommierten Leipziger Buchpreis in der Sparte Übersetzung nominiert. Der Autor, geboren 1957 in Cluj-Napoca, wird am 26. Februar um 19:00 Uhr im Literaturhaus Wien aus seinem Werk lesen, das in Ungarn bereits in der neunten Auflage vorliegt und auf vielen Bestenlisten zu finden ist. Vienna.at berichtet, dass Visky kürzlich ein Atelier in Krems bezogen hat, um an seinem nächsten Roman zu arbeiten.

Der Roman besteht aus 822 kurzen, durchnummerierten Prosastücken, die ein komplexes Mosaik der Lagererfahrung bilden. Visky versprach seiner Mutter im Lager, ihre Erlebnisse niederzuschreiben. „Die Aussiedlung“ spiegelt die extremen Bedingungen wider, die die Deportierten aushalten mussten. Die Familie lebte unter fragwürdigen Umständen ohne gesicherte Behausung und war oft Krankheiten und dem Tod ausgesetzt. Besonders das christliche Glaubensleben war ein zentraler Bestandteil der Überlebensstrategie der Familie, in deren Zentrum Viskys Mutter, Júlia, stand, die bestrebt war, ihren Kindern Geborgenheit und Hoffnung zu geben. BR.de hebt hervor, wie die Bibel, das einzige Buch, das die Familie während der Lagerhaft besaß, täglich vorgelesen wurde und ein Gefühl von Hoffnung auf Freiheit vermittelte.

Ein Blick auf die Erinnerungen

Viskys Erlebnisse im Lager sind nicht nur persönliche Erinnerungen, sondern auch ein Beitrag zur kollektiven Geschichtsaufarbeitung. Der Roman ist für Leser in Rumänien und Ungarn geschrieben, die die Geschichte des Bărăgan-Gulags kennen. Anfang Februar stellte Visky seine Arbeit bei einer Autorenlesung in der Zentralbibliothek Dresden vor, wobei der Dresdner Schauspieler Ahmad Mesgarha einige Kapitel aus der deutschen Übersetzung vortrug. Erinnerung-und-Begegnung.de merkt an, dass der Begriff „Aussiedlung“ in Deutschland oft mit positiven Assoziationen belegt ist, während Viskys Verständnis daraus resultiert, dass seine Familie deportiert wurde, um ihre Identität auszulöschen.

Visky, der zum Zeitpunkt der Deportation erst zwei Jahre alt war, beschreibt die Schrecken der Lagerhaft aus der Sicht eines Kindes, was dem Roman eine besondere Perspektive verleiht. Der Autor zeigt, wie der Zusammenhalt innerhalb der Familie und der Glaube an Freiheit und eine bessere Zukunft ihnen half, die widrigen Lebensumstände zu überstehen. Viskys Vater, ein evangelisch-reformierter Pfarrer, wurde vom kommunistischen Regime als Bedrohung angesehen und zu 22 Jahren Gefängnis verurteilt. Dieser Aspekt der persönlichen und familiären Geschichte wird in Viskys literarischem Schaffen immer wieder eindrücklich thematisiert.

Mit „Die Aussiedlung“ hat András Visky ein Zeugnis innerer Unabhängigkeit und Stärke geschaffen, das sowohl Erinnerungen an eine dunkle Vergangenheit als auch eine tiefe Reflexion über das Streben nach Freiheit und insbesondere über deren Zerbrechlichkeit enthält. Der zweite Band seiner Trilogie, „Illegalisták“, erschien 2025 und behandelt die Geschichte seines Vaters, während er plant, den dritten Roman über das Leben im Gefängnis zu beginnen. Freiheit bleibt daher der zentrale Gedanke, der sich durch Viskys gesamte literarische Arbeit zieht.