Eine aktuelle Analyse der Beratungsgesellschaft EY zeigt, dass die deutsche Industrie im Jahr 2025 über 120.000 Stellen abbauen wird, ein nahezu doppelt so hoher Rückgang wie im Vorjahr. Dies geht aus den neuesten Daten des Statistischen Bundesamts hervor und verdeutlicht die anhaltenden Herausforderungen, mit denen die Branche konfrontiert ist. Während der Automobilsektor mit ca. 50.000 verlorenen Arbeitsplätzen am stärksten betroffen ist, zeigen andere Branchen wie Chemie und Pharma vergleichsweise moderate Verluste von etwa 2.000 Stellen. Dennoch bleibt die Gesamtsituation angespannt, da die Industrieumsätze seit 2023 um fast fünf Prozent gesunken sind. Der Umsatz im vergangenen Jahr fiel zudem um 1,1 Prozent. Das vierte Quartal 2025 war bereits das zehnte in Folge mit Umsatzrückgängen.

Insbesondere die Automobilindustrie leidet unter diesem Trend. Im Vergleich zum Vorjahr gab es einen Rückgang von 48.700 Beschäftigten oder 6,3 Prozent, was die Beschäftigtenzahl auf den tiefsten Stand seit 2011 senkt: 721.400. Zulieferer in dieser Branche sind besonders stark betroffen, mit einem Rückgang von 11,1 Prozent bei der Herstellung von Teilen und Zubehör für Kraftwagen. Die Zahl der Beschäftigten in der Automobilindustrie bleibt dennoch höher als in anderen großen Sektoren, wie dem Maschinenbau, der auf 934.200 Beschäftigte kommt.

Wirtschaftliche Aussichten

Die ökonomischen Rahmenbedingungen zeigen keine Anzeichen von Besserung. Laut EY wird ein weiterer Stellenabbau aufgrund schwacher Aufträge und hohem Wettbewerbsdruck erwartet. Insbesondere die wachsende Anzahl von Insolvenzen bei Autozulieferern trägt zur Unsicherheit bei. Eine Verschiebung von Produktion und Forschung ins Ausland durch große Automobilkonzerne gefährdet zudem Arbeitsplätze in Deutschland. Ökonomen prognostizieren für das Jahr 2026 ein bescheidenes Wirtschaftswachstum von rund einem Prozent.

Der Rückgang der Beschäftigten in der Industrie ist nicht auf die Automobilbranche beschränkt. Auch die Metallerzeugung und -bearbeitung verzeichnete einen Rückgang von 5,4 Prozent, während die Herstellung von elektrischen Geräten und Kunststoffprodukten ebenfalls stark betroffen ist. Lediglich die Nahrungsmittelindustrie vermeldet positive Zahlen mit einem Zuwachs von 1,8 Prozent.

Fazit und erforderliche Maßnahmen

Insgesamt hat die deutsche Industrie seit 2019 rund 266.000 Beschäftigte verloren, was einem Rückgang von knapp fünf Prozent entspricht. Branchenübergreifend benötigen Unternehmen dringend einen Aufschwung, um zukünftige Beschäftigungsverluste zu vermeiden. Der breitere Aufschwung wird voraussichtlich erst 2027 einsetzen, wenn staatliche Investitionen in Rüstung und Infrastruktur ihre Wirkung entfalten.