Ein erheblicher Teil der Polizeischüler in Österreich bricht die Ausbildung vorzeitig ab, was insbesondere in Wien besorgniserregend ist. Laut dem Innenministerium haben im vergangenen Jahr rund 30 Prozent der Polizeischüler die Ausbildung nicht abgeschlossen. Diese hohe Abbrecherquote steht im Fokus der öffentlichen Diskussion und wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Exxpress berichtet, dass von 415 Personen, die vor drei Jahren die Ausbildung begonnen haben, 130 die Grundausbildung vorzeitig abgebrochen haben.
Bundespolizeidirektor Michael Takacs führt mehrere Gründe für diese hohe Abbrecherquote an. Viele Anwärter haben falsche Erwartungen an den Polizeiberuf und erkennen erst in der Praxisphase die Belastung durch Nachtdienste. Zudem kommt es häufig vor, dass die frisch ausgebildeten Polizisten in frühere Jobs zurückkehren, um von besseren Arbeitszeiten oder höheren Gehältern zu profitieren.
Herausforderungen und Konkurrenz
Besonders im Großraum Wien sieht sich die Polizei einer starken Konkurrenz aus der Privatwirtschaft, insbesondere im IT-Bereich. Trotz eines gestiegenen Einstiegsgehalts für Polizeischüler von nunmehr 2.400 Euro brutto, zeigen sich nach wie vor Schwierigkeiten, die Quoten der Ausbildungsabbrüche zu senken. Gewerkschafter fordern daher teilweise strengere Auswahlverfahren, um geeignete Kandidaten frühzeitig zu identifizieren.
Die Auswahlprozesse für angehende Polizeischüler sind umfassend. Bewerber müssen sich einem mehrmonatigen Auswahlverfahren unterziehen, das unter anderem psychologische Tests und ärztliche Untersuchungen beinhaltet. Gemäß polizeikarriere.gv.at beginnt der Ablauf mit der Online-Bewerbung, gefolgt von Tests zur psychologischen Eignung und einem Aufnahmegespräch, das das persönliche Auftreten bewertet.
Bestrebungen zur Verbesserung
In Deutschland sind derzeit Polizeihochschulen vorwiegend als interne Einrichtungen organisiert. MDR berichtet von Überlegungen, diese Hochschulen als freie Institutionen zu etablieren, um die Lehrqualität zu steigern. Strengere Regeln in der Personalauswahl und Studienstruktur könnten dazu beitragen, die Eigenmotivation der Anwärter zu fördern und somit die Abbrecherquote zu senken. In Sachsen plant die Polizei, die Betreuung der Bewerber zu verbessern, und setzt auf längere Ausbildungszeiten, um die Inhalte zeitgemäßer zu gestalten.
Die Herausforderungen, die die Polizei bei der Ausbildung ihrer Schüler bewältigen muss, sind vielfältig. Während Maßnahmen zur Verbesserung ergriffen werden, bleibt unklar, wie nachhaltig diese Bemühungen in der Zukunft sein werden.