Heute, am 1. März 2026, blicken die Volksschulen im Lienzer Süden auf ihre 70-jährige Geschichte zurück. Im Jahr 1956 wurde das Schulgebäude fertiggestellt, und seitdem hat sich viel in der Bildungslandschaft verändert. Anlässlich des Jubiläums teilen zwei ehemalige Schüler ihre Erinnerungen aus der Zeit, als sie die Schule besuchten. Hans Wibmer und Herbert Oberhuber, beide Absolventen der Klasse 3a von 1956, erinnern sich an ihre prägenden Erfahrungen und die Umgebung der Schule in einer anderen Zeit.

Die Direktoren der beiden Schulen, Stefan Schrott von der Volksschule Süd und Carolin Steiner von der Volksschule Michael-Gamper, haben eine Fotoausstellung organisiert. Diese steht im Zeichen der vergangenen sieben Jahrzehnten und wurde in Kooperation mit dem Tirol Archiv Photographie realisiert. Die Ausstellung soll nicht nur die Entwicklung von Schule und Unterricht dokumentieren, sondern auch einen Ausblick auf die Zukunft der Bildung bieten.

Einblicke in den Schulalltag

Schrott und Steiner geben zudem wertvolle Einblicke in den heutigen Schulbetrieb und diskutieren gemeinsam, was eine gute Schule ausmacht. Ihr Ausblick für die kommenden 70 Jahre beinhaltet Wünsche und Ziele, die auf die sich verändernden Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler eingehen.

Die Geschichte der Schulen im Allgemeinen ist jedoch nicht isoliert zu betrachten. Nach der Zerschlagung der Nazi-Diktatur wurde 1946 eine grundlegende Schulreform initiiert, um die damals bestehenden Strukturen zu verändern. Die sowjetische Besatzungsmacht hatte das Ziel, „Keimzellen“ für imperialistisches und militaristisches Denken abzubauen. Diese Reformen kulminierten in dem Gesetz zur „Demokratisierung der deutschen Schule“, das die Einheitsschule als das neue Konzept etablierte.

  • 1947 einigten sich alle vier alliierten Besatzungsmächte auf die demokratische Umgestaltung des Bildungswesens.
  • Ein grundlegendes Prinzip war die Gewährleistung von gleichen Bildungsmöglichkeiten für alle.
  • Die Reformen stießen jedoch auf Widerstand, insbesondere in konservativ regierten Gebieten.

Diese tiefgreifenden Veränderungen in der schulischen Landschaft sind wichtige Bestandteile der Bildungsgeschichte, die bis in die Gegenwart wirken. In den 1960er Jahren wurde die Notwendigkeit weiterer Reformen erkannt, doch der Widerstand gegen diese Vorschläge blieb bestehen. Mit dem Düsseldorfer Abkommen 1955 wurde schließlich die dreigliedrige Schulstruktur in Deutschland als Standard festgelegt.

In den letzten Jahrzehnten ist das Bildungssystem jedoch einem ständigen Wandel unterzogen worden. Der Fokus hat sich von der Strukturierung des Schulsystems zunehmend hin zur Qualität einzelner Schulen und deren Autonomie verlagert. Heute, im Jahr 2026, wird der Schüler mehr denn je in den Mittelpunkt gerückt, während die Bildungslandschaft weiterhin im Fluss ist.

Die Geschichte der Volksschulen in Lienz ist somit nicht nur ein Rückblick auf 70 Jahre, sondern auch ein Teil einer viel größeren Erzählung über Bildung und deren Entwicklung im Kontext der gesellschaftlichen Veränderungen in Europa. Die aktuelle Fotoausstellung ist ein ehrendes Zeugnis all dessen, was erreicht wurde, und ein Ausblick auf die Zukunft, die noch vor uns liegt.