Am 30. Jänner 2026 erhielten rund 360 Rekruten des österreichischen Bundesheeres in St. Andrä im Lavanttal ihre Ehrentitel bei einer feierlichen Angelobung. Prominente Unterstützung erhielt die Veranstaltung durch Landeshauptmann Peter Kaiser und Landesrat Daniel Fellner, die den jungen Männern für ihren Dienst dankten und die Wichtigkeit des Bundesheeres hervorhoben. Kaiser ging besonders auf den aktuellen Wertewandel und die daraus resultierende Verunsicherung weltweit ein. Er betonte die Notwendigkeit, Institutionen wie das Bundesheer zu stärken, um das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen.

Einer der zentralen Punkte in Kaisers Ansprache war die Förderung eines stärkeren Zusammengehörigkeitsgefühls innerhalb der Gesellschaft und die Ermutigung, sich aktiv für die Gemeinschaft einzubringen. Zusätzlich äußerte sich Militärkommandant Philipp Eder mit der Forderung nach einer Verlängerung der Wehrpflicht und der Einführung verpflichtender Milizübungen. Eder argumentierte, dass die gegenwärtigen sechs Monate Dienstzeit nicht ausreichend seien, um den Herausforderungen der Sicherheitslage gerecht zu werden.

Rekrutenauswahl und Wehrpflicht

Die neu angelobten Rekruten kommen aus verschiedenen Einheiten und Kasernen in Kärnten, darunter das Jägerbataillon 26 und die Pionierbataillon 1. Gemäß den Bestimmungen zur Wehrpflicht beginnt diese für männliche österreichische Staatsbürger mit dem 17. Geburtstag und dauert bis zum 50. Geburtstag, in besonderen Fällen sogar bis zum 65. Geburtstag. Um sicherzustellen, dass alle Rekruten ihren Dienst in geeigneten Positionen antreten können, wird vor Dienstantritt eine medizinische und psychologische Stellung durchgeführt, die in der Regel eineinhalb Tage dauert. Diese Untersuchung dient der Feststellung der Eignung und erfolgt durch die Stellungskommission, deren Endbefund entsprechend „tauglich“, „vorübergehend untauglich“ oder „untauglich“ lautet.

Der militärische Dienst kann auch durch Zivildienst ersetzt werden, wobei die Dauer in der Regel sechs Monate beträgt. Wie österreich.gv.at berichtet, haben Männer bis zu ihrem 35. Geburtstag eine Verpflichtung zur Stellung. Freiwilliger Präsenz- oder Ausbildungsdienst ist ab dem 17. Lebensjahr möglich und die Einberufung ins Bundesheer erfolgt ab 18 Jahren, vorausgesetzt, die Tauglichkeit wurde festgestellt.

Militär und Gesellschaft

Die Rolle des Bundesheeres in der Gesellschaft scheint durchweg positiv wahrgenommen zu werden. Aktuellen Umfragen zufolge haben 79% der Befragten ein positives Bild von der Armee. Diese hohe Akzeptanz könnte mit dem seinerzeitigen Beschluss, die militärischen Ausgaben im Jahr 2024 auf ca. 4,9 Milliarden Euro zu erhöhen, zusammenhängen – eine Ausgabenhöhe, die ca. 1% des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Dies, zusammen mit dem Engagement Österreichs in internationalen Missionen, stärkt möglicherweise das Vertrauen in die Institution.

Trotz dieser positiven Wahrnehmung gibt es eine zunehmende Debatte über die Neutralität des Landes und die Notwendigkeit, die Wehrpflicht und militärischen Strukturen zu modernisieren, um den neuen sicherheitspolitischen Herausforderungen gerecht zu werden. Eine Umfrage im Jänner 2024 ergab, dass 78% der Bevölkerung die Beibehaltung der Neutralität unterstützen, während 51% der Befragten feststellen, Österreich verhalte sich nicht neutral.

In Anbetracht der sicherheitspolitischen Entwicklungen wird auch die Debatte über die Rolle der NATO in Österreich lebhaft geführt. Während 40% der Bevölkerung Vertrauen in die NATO haben, ist fast die Hälfte (49%) skeptisch gegenüber einem möglichen NATO-Beitritt.

Die Herausforderungen in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik sind klar umrissen. Die jüngste Angelobung in St. Andrä stellt nicht nur den Beginn eines Dienstes für die Rekruten dar, sondern symbolisiert auch die zentrale Rolle des Bundesheeres im österreichischen Sicherheitsdenken.