Auf der dritten internationalen Sudan-Konferenz in Berlin haben Geberländer heute über 1,3 Milliarden Euro für humanitäre Hilfe im Sudan für das laufende Jahr zugesagt. Der deutsche Außenminister Johann Wadephul bezeichnete dies als positives Zeichen in einer Zeit, in der die humanitären Mittel weltweit schrumpfen. Ziel dieser Unterstützung ist es, das Leid der Menschen im Sudan zu lindern und Leben zu retten. Laut den Vereinten Nationen handelt es sich im Sudan um die größte humanitäre Krise der Welt, wobei fast drei Viertel der Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Österreich war ebenfalls bei der Konferenz vertreten, die von der Bundesregierung, Großbritannien, Frankreich, den USA, der EU und der Afrikanischen Union ausgerichtet wurde.
Deutschland stellt in diesem Jahr mehr als 230 Millionen Euro für den Sudan bereit, darunter 20 Millionen Euro aus dem Entwicklungsministerium. Wadephul forderte in seiner Rede andere Länder, Organisationen und den Privatsektor zur Unterstützung auf. Der UN-Generalsekretär António Guterres bezeichnete den heutigen Tag als „tragischen Meilenstein“, da er den dritten Jahrestag des Bürgerkriegs im Sudan markiert. Der Konflikt begann am 15. April 2023 zwischen der sudanesischen Armee unter General Abdel Fattah al-Burhan und der paramilitärischen RSF-Miliz unter General Mohammed Hamdan Daglo. Guterres warnte vor den destabilisierenden Folgen, die der Bürgerkrieg nicht nur für den Sudan, sondern für die gesamte Region hat.
Humanitäre Notlage und Gefahren
Der aktuelle Konflikt hat verheerende Auswirkungen auf die zivile Bevölkerung. Über 11,6 Millionen Menschen sind im Sudan und in den Nachbarländern auf der Flucht, während mehr als 19 Millionen Menschen von Hungersnot bedroht sind. Das Gesundheitssystem im Sudan ist vielerorts zusammengebrochen. Eine UN-Untersuchungskommission hat berichtet, dass die RSF einen Genozid an nicht-arabischen Gemeinschaften in Al-Faschir verübt hat. Das sudanesische Gesundheitsministerium dokumentierte 11.209 Tote, Expertenschätzungen zufolge könnte die tatsächliche Zahl jedoch Hunderttausende erreichen.
Wadephul unterstützte auch die Forderung nach einem Waffenembargo gegen den Sudan. Die Kämpfe konzentrieren sich vor allem auf die Region Kordofan und an der Grenze zu Äthiopien. Drohnenangriffe haben mittlerweile die Bodenkämpfe als primäre Kampfform abgelöst, was in diesem Jahr zu mindestens 700 zivilen Todesopfern führte. Trotz der drastischen Situation nahmen Vertreter der Konfliktparteien nicht an der Berliner Konferenz teil, und bisherige Vermittlungsversuche blieben ohne Durchbruch.
Finanzierung der humanitären Hilfe
Der UN-Hilfsaufruf für 2026 ist nur zu 17 Prozent finanziert. Lokale Hilfsgruppen, darunter die für den Friedensnobelpreis nominierten Emergency Response Rooms, kämpfen darum, die Lücken zu schließen, sehen sich jedoch mit erheblichen finanziellen Schwierigkeiten konfrontiert. Die internationale Gemeinschaft steht vor der Herausforderung, dringend benötigte Hilfe zu mobilisieren, um der humanitären Not im Sudan gerecht zu werden und das Leben von Millionen von Menschen zu retten.
Es bleibt abzuwarten, wie die zugesagten Mittel umgesetzt werden und ob die internationale Gemeinschaft in der Lage sein wird, effektive Hilfe zu leisten. Die Unterstützung der Geberländer ist ein Schritt in die richtige Richtung, doch die Schwierigkeiten im Sudan erfordern weiterhin ein starkes und konsistentes Engagement aller Beteiligten.
Insgesamt zeigt die Konferenz, dass die humanitäre Krise im Sudan weithin anerkannt wird, doch die Umsetzung von Hilfsmaßnahmen bleibt eine große Herausforderung.
Mehr Informationen finden Sie in den Berichten von Kleine Zeitung und Zeit Online.