Der Begriff „Karen“ hat sich in der digitalen Kultur zu einem prägnanten Meme entwickelt, das spezifische gesellschaftliche Probleme anspricht. Laut Kurier wird der Begriff häufig für Menschen verwendet, die als rassistisch, verklemmt und anspruchsvoll wahrgenommen werden. Besonders häufig bezieht sich die Bezeichnung auf weiße Frauen mittleren Alters, vor allem aus der Generation X oder den Babyboomern. Der Trend, der 2016 begann, hat sich schnell verbreitet, wobei „Karens“ oft in Memes und Videos dargestellt werden, wie sie sich über alltägliche Dinge beschweren oder grundlos die Polizei rufen.

Das typische Erscheinungsbild einer „Karen“ wird durch einen fransigen Bob-Haarschnitt charakterisiert. Diese Frauen fallen auf, indem sie versuchen, ihre Vorstellungen und Ansprüche durchzusetzen, oft wissentlich oder unwissentlich in Bewusstsein ihrer privilegierten gesellschaftlichen Stellung. Häufig beschweren sie sich über vermeintlich kleine Probleme, wie etwa falsches Parken oder Kinder, die Limonade verkaufen, ohne über die entsprechenden Genehmigungen zu verfügen.

Der Kontext des Karen-Phänomens

Das Phänomen hat sich während der COVID-19-Pandemie weiter entwickelt, als „Karens“ oft als jene Personen identifiziert wurden, die sich weigerten, Mundschutzmasken zu tragen und somit öffentliche Regeln missachteten. Diese Widerstände sind Teil eines größeren sozialen Diskurses, der im Internet stattfindet. Dabei reflektiert das Verhalten vielfach bestehende Machtstrukturen und gesellschaftliche Privilegien, wie in einer Untersuchung von Humancode dargelegt wird.

Wissenschaftliche Analysen haben ergeben, dass das „Karen“-Verhalten in viralen Videos durch autoritären Tonfall und Forderungen nach Vorgesetzten geprägt ist. Es versteht sich als kulturelles Symbol, das nicht nur für individuelles Verhalten steht, sondern auch tiefere soziale und historische Dynamiken verdeutlicht.

Kritik und Diskussion

Obwohl das Karen-Meme humorvoll begonnen hat, sind Kritiker besorgt über die Stigmatisierung von Frauen mittleren Alters. Es gibt Bedenken, dass legitime Anliegen oft als „Karen-Verhalten“ abgetan werden. Diese Diskussion wird auch durch den Vergleich mit anderen Namen wie „Jessica“, „Jennifer“ und „Ashley“ verstärkt, die ähnliche negative Assoziationen hervorrufen könnten. Diese Namen spiegeln ein Verhalten wider, das auch als gemein und aggressiv beschrieben wird.

Zudem wird die Frage der sozialen Ungleichheit auf sozialen Medien in diesen Kontext eingebettet. Laut bpb nutzen Nutzer*innen Plattformen wie Instagram, um über Klassismus und soziale Ungleichheiten zu sprechen. Hashtags wie #classmatters und #Klassismus fördern die Diskussion über Klassensysteme und soziale Gerechtigkeit. Diese digitalen Räume ermöglichen es prekären Gruppen, ihre Erfahrungen zu artikulieren, auch wenn Studien zeigen, dass ihre Stimmen auf diesen Plattformen oft unterrepräsentiert sind.

Insgesamt zeigt das Karen-Phänomen, wie tief gesellschaftliche Fragen in den sozialen Medien verwurzelt sind. Es ist ein Beispiel dafür, wie digitale Technologien sowohl Chancen als auch Risiken für die soziale Teilhabe mit sich bringen und aufzeigen, wie wichtig Medienkompetenz ist.