Die Universität Innsbruck bietet mit der Serviceeinrichtung S-AAL ein einzigartiges Projekt zur Unterstützung von Studierenden mit Aufmerksamkeitsstörungen, Autismus und Lernstörungen an. Gegründet im Jahr 2021 von Dr. Liane Kaufmann, hat sich das Angebot seither erheblich entwickelt. In den letzten zwei Studienjahren konnten 539 Studierende begleitet werden, was einer beispielhaften Verdreifachung der betreuten Personen entspricht. Diese Zahlen zeigen, dass der Bedarf an solchen Unterstützungsservices enorm ist und kontinuierlich wächst. Das Angebot ist kostenlos und über alle Fakultäten hinweg zugänglich, was die Inklusion an der Hochschule fördert, wie dolomitenstadt.at berichtet.
Die Leitung des Projekts obliegt seit April 2023 Verena Dresen, unterstützt von der Doktorandin Laura Staller, die seit Oktober 2023 als studentische Mitarbeiterin im Team tätig ist. S-AAL bietet nicht nur diagnostische Abklärung und individuelle Beratung an, sondern auch Interventionen in Gruppenform, um den Austausch unter den Teilnehmenden zu fördern. Dies ist besonders wichtig, da Studierende oft ähnliche Herausforderungen erleben und voneinander lernen können.
Vielfältige Unterstützung für Studierende
Zu den Hilfsangeboten von S-AAL gehören organisatorische, planungs- und priorisierungsstrategien sowie Zeiterfassungsbögen, die den Studierenden helfen, ihre Studienzeit besser zu strukturieren. Jährlich sind schätzungsweise 5% der Studierenden von Legasthenie und Dyskalkulie betroffen, während Autismus unter 1% liegt. Diese Gruppe von Studierenden steht vor speziellen Herausforderungen, weshalb das Team der S-AAL intensiv an Lösungen arbeitet, die den individuellen Bedürfnissen gerecht werden.
Ein zentrales Ziel des Projekts ist es auch, modifizierte Prüfungen für diese Studierenden zu beantragen. „Modifizierte Prüfungen sind gesetzlich vorgeschrieben, doch die individuelle Anpassung ist entscheidend für den Studienerfolg“, macht Verena Dresen deutlich. Die Studierenden müssen ein gültiges Attest mit der entsprechenden Diagnose vorweisen, um erleichterte Prüfungsmodalitäten beantragen zu können. Die Möglichkeit, zeitliche Erleichterungen oder zusätzliche Pausen in Prüfungen zu erhalten, ist für viele Betroffene von großer Bedeutung.
Ein Beitrag zur Forschung
S-AAL sieht sich auch als Forschungsambanz, um der Forschungslücke im Erwachsenenbereich begegnen zu können. Es wurde festgestellt, dass sich Symptome zwischen Kindheit und Erwachsenenalter unterscheiden, wobei auch Geschlechterdifferenzen eine Rolle spielen. Ein weiteres Anliegen des Projekts ist es, die Komplexität der Störungsbilder, die oft in sozialen Medien vereinfacht dargestellt wird, aufzuzeigen.
Die Studierenden können auf der Website der S-AAL Selbsttests durchführen, die jedoch keine klinische Diagnose ersetzen. Die positiven Rückmeldungen der Teilnehmer:innen belegen die Wirksamkeit der angebotenen Strategien. Viele berichteten von einer signifikanten Abnahme ihrer Symptome durch das Erlernen neuer Bewältigungsmechanismen. Die Uni Innsbruck fördert aktiv die individuelle Vielfalt und Inklusion, was S-AAL in seiner Arbeit eng mit dem Büro der Behindertenbeauftragten abstimmt, dessen Leiterin Mag. Bettina Jeschke ist.
Für interessierte Leserinnen und Leser sind zusätzliche Informationen über das Thema „ADHS und Studium“ auf der Seite von ADHS Deutschland zu finden.