Die Spannungen im Gazastreifen nehmen erneut zu, nachdem die israelische Armee Bewohner eines bestimmten Gebäudes in der Region aufgefordert hat, sich mindestens 100 Meter von diesem Gebäude zu entfernen. Der Grund für die Warnung sind unterstellte „terroristische Infrastruktur der Hamas“ in diesem Gebäude. Diese Aufforderung geschah als Reaktion auf einen Verstoß der Hamas gegen die bestehende Waffenruhe. Laut den Angaben der israelischen Armee hatten bewaffnete Personen im Norden des Gazastreifens auf israelische Soldaten geschossen, ohne dass es zunächst Berichte über Opfer gab. Trotz der Waffenruhe gibt es weiterhin gefährliche und teilweise tödliche Angriffe im Gazastreifen, wobei sich beide Seiten gegenseitig Verstöße vorwerfen.

So wurden am Mittwoch von palästinensischer Seite mehr als 20 Tote durch israelischen Beschuss gemeldet; zuvor hatten Palästinenser auf israelische Kräfte geschossen und dabei einen Soldaten schwer verletzt. Berichten israelischer Medien zufolge bereitet sich die israelische Armee auf eine Wiederaufnahme des Kriegs gegen die Hamas vor, falls diese eine Entwaffnung weiterhin verweigert. Die Entwaffnung der Hamas sowie ein dauerhaftes Ende der Kämpfe sind Teil eines von den USA unterstützten Friedensplans.

Aktuelle Zahlen der Opfer

Die jüngsten Entwicklungen im Gazastreifen sind alarmierend, insbesondere aufgrund der hohen Opferzahlen. Nach palästinensischen Angaben sind bei israelischen Luftangriffen mindestens 32 Menschen gestorben, darunter auch mehrere Kinder. Diese Zahlen sind stark umstritten, da die israelische Armee zuvor Opferzahlen bestätigte, die von der Hamas genannt wurden. Unter den Opfern sind 14 Menschen, die bei einem Angriff auf eine Polizeistation im Stadtteil Scheich Radwan im Norden von Gaza ums Leben kamen. Zudem wurden beim Beschuss eines Zeltlagers für Binnenvertriebene im Süden weitere sieben Todesopfer registriert.

Seit dem Inkrafttreten der Waffenruhe am 10. Oktober 2023 sind laut dem von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministerium über 500 Palästinenser aufgrund israelischem Beschuss gestorben. Der Gaza-Krieg wurde durch einen verheerenden Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 ausgelöst, bei dem etwa 1.200 Menschen getötet und rund 250 verschleppt wurden.

Der Weg zum Frieden

Die Friedenssituation bleibt angespannt, auch wenn ein Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas vereinbart wurde, der Teil eines umfassenden Nahostplans von US-Präsident Donald Trump ist. Dieser beinhaltet die Freilassung von 48 Geiseln, die am 7. Oktober nach Gaza entführt wurden, wovon noch 20 leben. Zudem sieht der Plan die Ausweitung von Hilfslieferungen, die Freilassung palästinensischer Häftlinge sowie einen teilweisen Abzug israelischer Truppen aus dem Gazastreifen vor.

Norbert Röttgen von der CDU äußerte Optimismus über die Umsetzung des Plans und führte an, dass die Hamas militärisch geschwächt sei. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass die Rückkehr aller Geiseln ein zentrales Kriegsziel Israels sei. Die Friedensforscherin Claudia Baumgart-Ochse bezeichnete den Waffenstillstand als „negativen Frieden“ und betonte, dass der Auf- und Ausbau von Vertrauen zwischen den Gesellschaften Jahre in Anspruch nehmen könnte. Simon Wolfgang Fuchs, ein Islamwissenschaftler, sieht den Waffenstillstand zwar als Hoffnungsschimmer, jedoch nicht als endgültigen Durchbruch, da noch bestehende Unstimmigkeiten bei der Freilassung palästinensischer Gefangener und den Herausforderungen der humanitären Hilfe in Gaza bestehen.

Die Situation im Gazastreifen bleibt also äußerst angespannt, und die Hoffnungen auf einen dauerhaften Frieden scheinen weiterhin in weiter Ferne zu liegen.