In der Debatte um die Zukunft der Energieversorgung geraten Small Modular Reaktoren (SMR) zunehmend ins Blickfeld. Diese Klein-AKW, die eine Leistung von etwa 300 MW erreichen können, sind umstritten. Während einige Befürworter und Gegner leidenschaftlich für ihre Positionen argumentieren, zeigt eine Analyse von Ökonews, dass die Berichterstattung über SMR häufig verzerrt ist und der Wahrheitsgehalt oft zu wünschen übrig lässt.

Physiker Dr. Ben Miles warnt, dass die Stromkosten aus SMR möglicherweise höher ausfallen könnten als die aus größeren Kernkraftwerken. Für die Preisberechnungen im Atomstrombereich fehlen entscheidende Kostenfaktoren, wie die für die Endlagerung des Atommülls sowie die Sicherheits- und Bewachungskosten der Anlagen und Endlager. Dies führt zu der folgenreichen Frage: Ist die technologische und ökonomische Machbarkeit der SMR tatsächlich so rosig, wie es oft propagiert wird? An dieser Stelle wird die Diskussion mit der Metapher unterstützt, dass der Bau von SMR mit dem Versuch verglichen wird, einen Formel-1-Boliden aus Laubsägeholz zu erstellen.

Technologische Herausforderungen und wirtschaftliche Realitäten

In der aktuellen Diskussion um die Kernkraft spielt auch die Entwicklung neuer Technologien eine entscheidende Rolle. So wird den SMR eine hohe Bauzeit- und Kostenersparnis zugeschrieben, besonders durch die geplante Vorfertigung in Fabriken. Dennoch existieren derzeit keine funktionierenden SMR, und viele der Konzepte sind bisher nur theoretischer Natur. Ingenieur.de hebt hervor, dass Großbritannien mit Rolls-Royce ein SMR-Programm ins Leben gerufen hat, dessen erste Stromerzeugung frühestens in den 2030er-Jahren zu erwarten ist.

Analysten von Goldman Sachs und das Electric Power Research Institute prognostizieren, dass der Stromverbrauch von Rechenzentren, die zunehmend auf Künstliche Intelligenz und Cloud-Dienste setzen, bis 2030 signifikant ansteigen wird. Microsoft hat beispielsweise einen langfristigen Stromliefervertrag mit Constellation Energy abgeschlossen, um Atomstrom zu beziehen, was die Relevanz der Kernkraft für große Technologieunternehmen untermauert. Die Entwicklung der SMR reicht dabei zurück bis in die 1950er und 1960er Jahre und erlebt jetzt eine neue Welle des Interesses.

Markt und Sicherheitsbedenken

SMRs verwenden alternative Kühlmittel wie Natrium, Blei oder Gas und sollen, theoretisch, weniger atomaren Abfall produzieren. Es gibt jedoch Bedenken hinsichtlich der Betriebserfahrung und der Sicherheitsrisiken neuer Reaktorkonzepte. Über 100 verschiedene Reaktortypen werden international entwickelt, aber das Fehlen einer soliden Betriebserfahrung ist ein großes Manko. Bislang gibt es beispielsweise in Kanada keinen operativen SMR, und die frühesten Betriebsstarts werden für 2030 angenommen.

Die Kosten und Sicherheitsauflagen für SMR sind ein weiterer Streitpunkt. Obwohl diese kleiner als traditionelle Kernkraftwerke sind, bleibt die Frage, ob sie tatsächlich günstiger in der Erzeugung und im Betrieb sein können. Deutschlandfunk berichtet, dass SMRs aus Sicht großer Tech-Konzerne dennoch bedeutend für die Klimaneutralität angesehen werden. Die Hoffnung der Branche ist, dass neue Regelwerke und Technologien den Weg für kommerzialisierbare SMR-Systeme in 20 bis 30 Jahren ebnen.

Zusammenfassend bleibt abzuwarten, ob die Versprechen rund um SMR Realität werden können und ob sie eine nachhaltige Lösung im Kontext der globalen Energiekrise darstellen werden. Die Herausforderungen sind vielfältig, sowohl technischer als auch wirtschaftlicher Natur, und die Diskussion über die Kernkraft bleibt ein heiß umstrittenes Thema. Die Zerrbilder in den Medien sowie die realen technologischen Herausforderungen stellen dabei nur einige der vielen Facetten in dieser komplexen Debatte dar.