Der Hongkonger Medienmogul Jimmy Lai wird gegen seine Verurteilung und die 20-jährige Haftstrafe wegen Kollusion mit ausländischen Kräften und Aufruhr nicht in Berufung gehen, teilte sein Anwalt am Freitag mit. Dieses richtungsweisende Verfahren stieß auf internationale Kritik.
Hintergrund zu Jimmy Lai und Apple Daily
Lai, 78 Jahre alt, ist der Gründer der mittlerweile geschlossenen, pro-demokratischen Zeitung Apple Daily und einer der lautesten Kritiker der regierenden Kommunistischen Partei Chinas.
Rechtliche Auseinandersetzung und Urteilsverkündung
Eine fast fünfjährige juristische Auseinandersetzung endete im Februar mit seiner Verurteilung, nachdem er im Dezember wegen zweier Anklagen wegen Verschwörung zur Kollusion mit ausländischen Kräften und einer Anklage wegen der Veröffentlichung aufrührerischer Materialien für schuldig befunden wurde.
Kritik aus dem Ausland
Ein Mitglied von Lais juristischem Team in Hongkong teilte Reuters mit, dass sein Mandant gegen das Urteil und die Strafe keine Berufung einlegen werde, was unter anderem von Ländern wie Großbritannien und den USA kritisiert wurde.
„Wir können bestätigen, dass wir klare und eindeutige Anweisungen haben, keinen Berufungsantrag gegen das Urteil oder die Strafe einzureichen“, sagte der Anwalt unter der Bedingung der Anonymität, nannte jedoch keinen Grund für diese Entscheidung.
Gesundheitliche Sorgen und weitere rechtliche Schritte
Separat startete Fung Wai-kong, der ehemalige Chefredakteur der englischen Nachrichtenabteilung der Zeitung, am Montag Berufung gegen seine 10-jährige Haftstrafe in demselben nationalen Sicherheitsverfahren.
Lais Sohn und Tochter warnten, dass er im Gefängnis sterben könnte, da sich sein Gesundheitszustand nach über fünf Jahren in Einzelhaft verschlechtert. Er leidet an Diabetes sowie an gesundheitlichen Problemen wie Herzklopfen und Bluthochdruck.
Internationale Reaktionen und politische Dimension
Menschenrechtsgruppen und zahlreiche demokratische Länder haben die Freilassung von Lai gefordert.
Der US-Präsident Donald Trump hat das Thema mit seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping angesprochen und wird bei seinem mit Spannung erwarteten Besuch in Peking Ende dieses Monats weiter darauf eingehen.
Die Sichtweise von Hongkong und Peking
Hongkong und Peking behaupten jedoch, Lai habe einen fairen Prozess erhalten und alle Personen würden gleich unter dem nationalen Sicherheitsgesetz behandelt, das seit den massiven pro-demokratischen Protesten 2019 die Ordnung in der Stadt wiederhergestellt hat.
Ein rechtlicher Sieg für Lai
Im letzten Monat entschied das Berufungsgericht von Hongkong in einem anderen Fall zu Gunsten von Lai, indem es seine Verurteilung wegen Betrugs aufhob und eine 69-monatige Haftstrafe annullierte.