In Australien gilt seit dem 10. Dezember 2025 ein Verbot für unter 16-Jährige, soziale Medien zu nutzen. Innerhalb eines Monats nach Inkrafttreten des Gesetzes wurden bereits 4,7 Millionen Konten von Jugendlichen deaktiviert, wie die Internetaufsichtsbehörde des Landes am 16. Jänner 2026 bekannt gab. Dieses beeindruckende Zahlenwerk zeigt die Auswirkungen des neuen Gesetzes, das von Premierminister Anthony Albanese als wegweisend bezeichnet wird und als Vorbild für andere Länder dienen soll. Der Premierminister betont, dass das Gesetz dazu dienen soll, Kinder vor den negativen Folgen des Internets zu schützen.

Bei Verstößen gegen das Gesetz drohen Plattformen Geldstrafen von bis zu 49,5 Millionen australischen Dollar, das entspricht etwa 28,5 Millionen Euro. Betroffene Plattformen umfassen große Namen wie Meta-Dienste (Instagram, Facebook, Threads), Googles YouTube, TikTok, Snapchat und X. Reddit hingegen klagt gegen das Verbot, hält sich aber an die Vorgaben.

Herausforderungen beim Verbot

Das Gesetz sieht vor, dass Plattformbetreiber für die Altersüberprüfung verantwortlich sind. Experten erwarten jedoch, dass viele Jugendliche versuchen werden, die Regeln zu umgehen. Tatsächlich hatten vor Inkrafttreten des Gesetzes 440.000 Nutzer unter 16 Jahren Snapchat, 350.000 Instagram und 200.000 TikTok genutzt. Diese Zahlen belegen die Herausforderung, die Altersgrenze effektiv durchzusetzen.

Die Altersüberprüfung erfolgt hauptsächlich durch persönliche Ausweisdokumente, Gesichtserkennung und digitale Spuren. Allerdings warnen viele Experten vor hohen Fehlerquoten bei der Altersprüfung, insbesondere bei 15- bis 17-Jährigen. Trotz der Unterstützung von 70 % der Australier für das Verbot glauben nur 35 %, dass die Plattformen einen effektiven Schutz bieten können. Kritiker, darunter 140 Wissenschaftler, stellen das Verbot als „zu plumpes Instrument“ in Frage und äußern Bedenken hinsichtlich der möglichen Isolation von Jugendlichen.

Internationale Resonanz und zukünftige Perspektiven

Das Vorgehen Australiens wird international beobachtet, und es gibt bereits Bestrebungen in Ländern wie Frankreich, Malaysia und Indonesien, ähnliche Gesetze zu verabschieden. Gleichzeitig plädieren Experten dafür, Kinder besser im Umgang mit sozialen Medien zu unterstützen und Hilfsmöglichkeiten bei Fehlverhalten anzubieten. Initiativen aus Deutschland zeigen, dass eine Altersgrenze für Social Media zwar befürwortet wird, jedoch auch viele als schwer umsetzbar ansehen.

Insgesamt ist das Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige in Australien nicht nur ein bedeutender Schritt in der Regulierung digitaler Inhalte, sondern wirft auch zahlreiche Fragen zur praktischen Umsetzung auf. Experten plädieren für alternative Ansätze zur Altersverifikation, die auf Gerätekonfiguration fokussieren, ohne personenbezogene Daten weiterzugeben, um die Durchsetzung bestehenden Jugendschutzregeln zu erleichtern.

Das Gesetz wird über die nächsten Jahre beobachtet werden, wobei eine Studie mit Experten für psychische Gesundheit die langfristigen Auswirkungen des Verbots auf die Jugendlichen untersuchen soll. Die Debatte über die Wirksamkeit solcher Maßnahmen ist jedoch noch lange nicht abgeschlossen.

Weitere Informationen zu der Thematik finden Sie in den Artikeln von Vienna.at, Tagesschau und Stiftung Datenschutz.