Am 1. Jänner 2026 hat Zypern die EU-Ratspräsidentschaft übernommen, und zwar zum zweiten Mal, nachdem das Land bereits 2012 den Vorsitz innehatte. Diese sechsmonatige Amtszeit wird geprägt sein von einer Vielzahl wichtiger Themen, die in der Eröffnungszeremonie am 7. Jänner 2026 in Nikosia vorgestellt werden. Unter dem Motto „Eine autonome Union. Offen für die Welt“ setzt sich Zypern ambitionierte Ziele, die die strategische Autonomie der EU stärken sollen, insbesondere in Bezug auf Sicherheit und Verteidigung, sowie ein effektives Migrationsmanagement fördern sollen. An der Eröffnungsveranstaltung wird auch die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, teilnehmen (Kleine Zeitung).
Das zyprische Arbeitsprogramm umfasst fünf Hauptsäulen: Sicherheit, Wettbewerbsfähigkeit, Erweiterung, Autonomie sowie finanzielle Stabilität. Präsident Nikos Christodoulides hat Nutzerklärung zu den Prioritäten gegeben, zu denen unter anderem die Unterstützung für die Ukraine, die Umsetzung des Weißbuchs zur Verteidigungsbereitschaft und das Management von Migration gehören. Ein spezifisches Datum für den Inkrafttreten des Paktes für Migration und Asyl ist der 12. Juni 2026 (European Newsroom).
Regionale Verantwortung und geopolitische Herausforderungen
Die geopolitische Landschaft, die Zypern als EU-Vorsitzenden umgibt, wird durch Russlands Krieg gegen die Ukraine und die damit verbundenen Spannungen geprägt. Die zyprische Regierung stellt zudem die Notwendigkeit heraus, die EU-Annäherung an die Region des erweiterten Nahen Ostens zu fördern, indem sie enge Beziehungen zu Ländern wie Ägypten und Jordanien aufbaut. Präsident Christodoulides nennt in diesem Zusammenhang ein strategisches Abkommen mit Ägypten, als Beispiel für konkrete Fortschritte bei der Stärkung regionaler Kooperationen (ZDF).
Ein wichtiger Bestandteil der zyprischen Ratspräsidentschaft ist auch die Planung eines informellen EU-Gipfels mit Mittelmeeranrainern im April, an dem auch die Türkei teilnehmen soll. Diese Einladung an Präsident Erdoğan zielt darauf ab, durch Dialog und Zusammenarbeit die Beziehungen zwischen der EU und diesem strategisch wichtigen Nachbarn zu verbessern. Zypern möchte von einer Annäherung der Türkei an die EU profitieren, was als vorteilhaft für beide Seiten erachtet wird (Kleine Zeitung).
Ein geteilter Staat und nationale Anliegen
Zypern ist das östlichste Mitgliedsland der EU und ein geteilter Inselstaat, in dem die griechischen Zyprioten den Süden und die türkischen Zyprioten den Norden regieren. Es ist wichtig zu beachten, dass die Türkische Republik Nordzypern nur von der Türkei anerkannt wird. Diese historische Teilung bringt Herausforderungen mit sich, aber auch die Möglichkeit, Brücken zu bauen, sowohl innerhalb der Insel als auch zwischen Zypern und seinen Nachbarn. Christodoulides hebt hervor, dass das Angehen der alltäglichen Sorgen der Bürger, wie steigende Energiekosten und Wohnraumprobleme, ebenfalls eine bedeutende Aufgabe während der Ratspräsidentschaft darstellen wird (European Newsroom).
Insgesamt zeigt Zypern mit seiner Ratspräsidentschaft ein starkes Engagement für eine aktive Rolle innerhalb der EU und darüber hinaus, während gleichzeitig die Faktor der geteilten Geschichte berücksichtigt wird, die das Land prägt. Bis Ende Juni 2026 wird Zypern sich darum bemühen, eine Verhandlungsposition für den langfristigen EU-Haushalt für 2028–2034 zu erreichen, was eine zusätzliche Herausforderung darstellt (ZDF).