Die diplomatischen Bemühungen um eine Beendigung des Russland-Ukraine-Kriegs nehmen eine neue Wendung. Präsident Wolodymyr Selenskyj äußerte in einer aktuellen Videoansprache, dass die Gespräche in Abu Dhabi zur Beendigung des Konflikts am Sonntag fortgesetzt werden sollen. Dies ist ein bedeutender Schritt, da es das erste Mal seit Juli 2025 ist, dass Vertreter beider Nationen wieder an einem gemeinsamen Verhandlungstisch sitzen, wie Süddeutsche berichtet.
Selenskyj forderte die Verbündeten auf, den Druck auf Moskau aufrechtzuerhalten. Er betonte die Notwendigkeit „echter Ergebnisse“ in den Verhandlungen. Dabei äußerte er sich kritisch über mögliche Verzögerungstaktiken seitens Moskaus, die dazu dienen könnten, westliche Sanktionen zu umgehen. Massive russische Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur führten in den letzten Tagen zu weitreichenden Strom- und Heizungsausfällen in verschiedenen Regionen, darunter Kiew, Charkiw und Tschernihiw.
Fortschritte und Rückschläge bei den Verhandlungen
Die Gespräche, die am 24. Jänner 2026 in Abu Dhabi stattfanden, dauerten mehr als drei Stunden, jedoch endeten sie ergebnislos. Laut eines US-Offiziellen, der an den Gesprächen teilnahm, wurden zwar Fortschritte bei der Diskussion über eine Einstellung der russischen Angriffe festgestellt, jedoch blieb unklar, inwiefern diese Fortschritte konkretisiert werden können. Kremlsprecher Dmitri Peskow wagte jedoch eine Warnung, dass bedeutende Ergebnisse möglicherweise nicht in Sicht seien. Zugleich hatte Präsident Wladimir Putin bereits zu verstehen gegeben, dass es keine Aussicht auf eine Friedenslösung gebe, solange Kiew nicht bereit sei, sich aus der Donbass-Region zurückzuziehen, wie Tagesschau berichtete.
Die ukrainische Regierung zeigt sich skeptisch gegenüber Putins Bereitschaft zur Friedenssicherung. Eine Umfrage zeigt, dass drei Viertel der Ukrainer gegen eine Friedensregelung sind, die einen Gebietsverzicht erfordert. Verteidigungsminister Boris Pistorius wies die Notwendigkeit zusätzlicher Munition für die Luftverteidigung hin und kritisierte die Angriffe auf die Energieinfrastruktur als besonders zynisch.
EU-Darlehen und militärische Unterstützung
Inmitten der anhaltenden Kämpfe warnte NATO-Generalsekretär Mark Rutte vor zu strengen Auflagen für ein neues EU-Darlehen für die Ukraine. Er hob die Notwendigkeit flexibler Mittelverwendung hervor, während die EU-Kommission plant, der Ukraine bis Ende 2027 ein Darlehen von 90 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen, von denen 60 Milliarden Euro für militärische Unterstützung vorgesehen sind. Diese Mittel sollen sowohl für den Einkauf militärischer Ausrüstung in der Ukraine und EU-Staaten als auch für Käufe in Drittländern verwendet werden dürfen, sofern die benötigten Produkte in der EU nicht verfügbar sind.
Die Verhandlungen zeugen von der Komplexität der Situation, in der territoriale Fragen und Fragen der Energieversorgung auf dem Spiel stehen. Während die militärischen Angriffe unvermindert anhalten, bleibt der Weg zu einer friedlichen Lösung weiterhin steinig und ungewiss. In dieser angespannten Lage wächst der Druck auf die internationale Gemeinschaft, Maßnahmen zu ergreifen, um einen nachhaltigen Frieden zu fördern.