Die Massenproteste im Iran halten trotz der steigenden Zahl an Todesopfern und Drohungen des Sicherheitsapparats weiterhin an. Wie vienna.at berichtet, sind seit Beginn der Proteste mehr als 500 Menschen getötet worden, während über 10.600 festgenommen wurden. Unbestätigte Berichte sprechen sogar von mehr als 2.000 Todesopfern. Die Demonstrationen haben sich inzwischen auf 185 Städte ausgeweitet, und es gibt besorgniserregende Videoaufnahmen aus Kahrisak, wo Dutzende Leichen vor einer Leichenhalle entdeckt wurden. Iran Human Rights (IHR) und Hengaw haben die Echtheit dieser Aufnahmen bestätigt.
Die Situation eskaliert weiter; der Parlamentspräsident Mohammed Baqer Qalibaf hat mit Vergeltung gedroht und spricht offen von militärischen Zielen im Falle eines Angriffs durch die USA. Gleichzeitig wird US-Präsident Donald Trump am Dienstag über mögliche militärische Maßnahmen informiert, wobei militärische Schläge und Cyberwaffen zur Diskussion stehen. In Europa plant die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas, neue Sanktionen gegen den Iran vorzuschlagen, insbesondere gegen diejenigen, die für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sind.
Repression und Menschenrechtsverletzungen
Die Repression seitens der iranischen Sicherheitskräfte hat sich seit dem 28. Dezember 2025 weiter verschärft, wie amnesty.de berichtet. Mindestens 28 Menschen, darunter auch Kinder, wurden zwischen dem 31. Dezember und dem 3. Januar 2026 in 13 Städten erschossen. Hunderte wurden willkürlich festgenommen und mussten mit Folter und Misshandlung rechnen. Amnesty International und Human Rights Watch haben Interviews mit betroffenen Personen durchgeführt und die Dokumentation des Einsatzes von Schusswaffen, Schrotmunition und brutaler Gewalt gegen überwiegend friedliche Demonstrierende festgestellt.
Die provinces Lorestan und Ilam sind besonders betroffen, da dort kurdische und lurische ethnische Minderheiten leben. In vielen Fällen werden die Inhaftierten ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten, was das Risiko von Folter erhöht. Amnesty fordert ein sofortiges Ende der Gewalt gegen friedliche Demonstranten und die bedingungslose Freilassung aller Inhaftierten, die aufgrund ihres Protestes festgehalten werden.
Ein Seitenblick auf die Vergangenheit
Die aktuellen Proteste und die brutal gewalttätige Reaktion der Regierung könnte im Kontext früherer Unruhen gesehen werden. Im November 2019 gab es ähnliche Proteste, die durch eine Benzinpreiserhöhung ausgelöst wurden. Damals wurden laut tagesschau.de über 300 Menschen getötet, während die US-Regierung von mehr als 1.000 Todesopfern sprach. In den letzten fünf Jahren hat sich die wirtschaftliche Lage im Iran dramatisch verschlechtert, und der Rial hat seit 2015 über 1.700 Prozent an Wert verloren. Diese Entwicklungen haben dazu beigetragen, dass die Protestbewegung weiterhin an Dynamik gewinnt.
Die Frauenrechte sind ein weiterer zentraler Punkt der Protestbewegung. Der Tod von Jina Mahsa Amini im Jahr 2022 führte weltweit zu Solidaritätsbekundungen, und es kam zu den so genannten Frau-Leben-Freiheit-Protesten. Trotz der staatlichen Repression bleiben Menschenrechtsaktivisten wie Hossein Ronaghi und Narges Mohammadi, eine Friedensnobelpreisträgerin, und viele andere, im Exil oder in Haft.
In Anbetracht dieser umfangreichen Menschenrechtsverletzungen ruft die internationale Gemeinschaft weiterhin zur Rechenschaft der Verantwortlichen auf und fordert ein Ende der Gewalt gegen friedliche Protestierende im Iran.