Die britische Regierung plant den Bau eines kleinen modularen Reaktors (SMR) auf der walisischen Insel Anglesey, wie Oekonews berichtet. Dieser SMR soll auf dem Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks Wylfa errichtet werden und wird von Rolls-Royce entwickelt. Regierungsvertreter betonen, dass SMR schneller als traditionelle Atomkraftwerke gebaut werden können, die oft mit jahrzehntelangen Verzögerungen zu kämpfen haben. Ziel ist es, die ersten SMR-Anlagen bis 2030 in Betrieb zu nehmen.
Die Entscheidung der britischen Regierung hat jedoch einige Bedenken ausgelöst. Fachleute und Umweltorganisationen äußern Zweifel an der Realisierbarkeit und warnen vor möglichen Kostensteigerungen, die sich in anderen SMR-Projekten weltweit gezeigt haben. Momentan existieren in Großbritannien noch keine marktreifen Designs oder genehmigte Serienfertigungen für SMR. Experten befürchten, dass die tatsächliche Bauzeit erheblich länger sein könnte, als die optimistischen Regierungsprognosen annehmen.
Risiken und diplomatische Spannungen
Infolge der SMR-Pläne entstehen auch diplomatische Spannungen mit den USA, die den Bau eines großen Westinghouse-Reaktors bevorzugen. Kritiker befürchten, dass die britische Strategie die Zusammenarbeit in Sicherheits- und Geheimdienstfragen belasten könnte. Zudem produzieren SMR den gleichen Atommüll wie große Reaktoren, jedoch in dezentralen Anlagen, was zusätzliche Herausforderungen bei der Entsorgung mit sich bringt. Die Sicherheitsstandards kleiner Reaktoren sind umstritten, insbesondere da sie weniger Redundanz in ihren Notfallsystemen bieten.
Der Standort Wylfa gilt aufgrund von Küstenerosion und Extremwetterphänomenen als potenziell gefährdet. Obwohl die britische Regierung verspricht, rund 3.000 neue Arbeitsplätze in Nordwales zu schaffen, wird dieses Versprechen von manchen als politisch motiviert betrachtet. Kritiker bezeichnen das SMR-Projekt als Prestigeprojekt, das Risiken ignoriert und falsche Hoffnungen weckt. Hinzu kommt, dass sich bereits zwei große Atomkraftwerke, Hinkley Point C und Sizewell C, im Bau befinden, was die Frage aufwirft, wie realistisch die SMR-Pläne tatsächlich sind und wer für mögliche Kostenüberschreitungen verantwortlich ist.
Vorbereitungen und internationale Entwicklungen
In einem weiteren Schritt könnte auch Oldbury als Standort für die ersten SMR-Einheiten in Großbritannien in Betracht gezogen werden, da NucNet berichtet, dass dies im Rahmen eines von der Regierung geführten Wettbewerbs zur Bereitstellung einer ersten SMR-Einheit bis Anfang der 2030er Jahre erfolgen soll.
Die Diskussion um SMRs wird durch viele globale Trends beeinflusst. Laut Wikipedia existieren weltweit über 130 verschiedene SMR-Konzepte, während bereits einige Projekte, wie das Demonstrationsprojekt in China und zwei Reaktoren in Russland, in Betrieb sind. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) definiert SMRs als Reaktoren mit einer Leistung von bis zu 300 MWe und hebt hervor, dass diese Reaktoren im Vergleich zu herkömmlichen Reaktoren potentielle Vorteile hinsichtlich der Sicherheit und der Flexibilität bieten könnten.
Die finanzielle Machbarkeit von SMRs stellt jedoch eine Herausforderung dar. So wurde beispielsweise ein Projekt in Idaho aufgrund massiver Kostenüberschreitungen eingestellt. Diese Unsicherheiten werfen die Frage auf, ob SMRs tatsächlich eine nachhaltige und sichere Lösung für die Energieversorgung sein können.