Gas-Pipelines in der Krise: Emissionen 150-mal höher als reportiert!
Europäische Gaspipeline-Unternehmen berichten weniger als 1% ihrer Emissionen. IEEFA kritisiert fehlende Transparenz und Standards.

Gas-Pipelines in der Krise: Emissionen 150-mal höher als reportiert!
Europäische Gaspipeline-Unternehmen stehen unter zunehmendem Druck, ihre Emissionen offenzulegen, da eine neue Studie des Institute for Energy Economics and Financial Analyses (IEEFA) erhebliche Lücken in ihrer Berichterstattung aufzeigt. Diese Unternehmen, auch als Transmission System Operators (TSOs) bekannt, berichten im Durchschnitt weniger als 1% ihrer tatsächlichen Emissionen. Dies führt zu einer massiven Diskrepanz, denn die tatsächlichen Emissionen aus dem Transport von Gas sind schätzungsweise 700 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr, was den gesamten Treibhausgasemissionen Deutschlands entspricht, so die Analyse.
Laut Oekonews sind die nachgelagerten Emissionen, die beim Verbrennen des transportierten Gases entstehen, im Durchschnitt 150-mal größer als die berichteten Emissionen. Während einige Unternehmen wie SNAM eine geringere Abweichung aufweisen, übersteigt die größte Abweichung bei der Firma Fluxys das 370-Fache. Es wird kritisiert, dass die unzureichenden Vorgaben des Greenhouse Gas Protocol es diesen Unternehmen ermöglichen, die Emissionen, die aus der Endnutzung des gasförmigen Treibstoffs resultieren, nicht zu melden.
Mangelnde Transparenz und Umweltverzerrung
Die IEEFA-Studie räumt ein, dass diese Praxis den Eindruck erweckt, dass die Gas-TSOs emissionsarm sind und damit von der fossilen Brennstoff-Wertschöpfungskette getrennt agieren. Der Bericht hebt hervor, dass die europäischen TSOs für etwa 29% der jährlichen Brennstoffverbrennungsemissionen in Europa verantwortlich sind.
Ein zentraler Kritikpunkt besteht darin, dass die gesetzliche Regelung zur Nachhaltigkeitsberichterstattung in Europa nicht spezifisch genug ist. Dadurch haben Gas-Pipeline-Unternehmen bislang nur unzureichenden Druck erfahren, um ihre Transparenz zu verbessern. Die IEEFA fordert klare Richtlinien, um die Lücke bei den transportierten Emissionen zu schließen und den Unternehmen zu helfen, ihre Fortschritte in Richtung eines kohlenstoffarmen Gasnetzes zu demonstrieren.
Berechnungsmethoden und globale Daten
Was die Erhebung der Emissionen betrifft, so bedient sich die EDGAR-Datenbank, die globale Informationen zu anthropogenen Emissionen bereitstellt, einem strukturierten Berechnungsansatz. Die Methodologie umfasst Aktivitätsdaten, Technologien sowie Emissionsfaktoren, welche die Auswirkungen der verschiedenen Sektoren in einem geografischen Rahmen quantifizieren. Diese Methodik ist entscheidend, um ein einheitliches Bild der Emissionen zu erhalten und die Entwicklung über die Jahre zu verfolgen, wie in EDGAR aufgezeigt.
Die IEEFA weist darauf hin, dass zugängliche und belastbare Daten unabdingbar sind, um die Umweltwirkung von Erdgaspipeline-Unternehmen angemessen evaluieren zu können. Die gegenwärtigen Standards ermöglichen es diesen Unternehmen, gravierende Abweichungen in ihrer Emissionsberichterstattung zu verbergen, was nicht nur ökologische, sondern auch finanzielle Auswirkungen hat, da Kapital, das in grünere Investitionen fließen könnte, angezogen wird.
Die Situation verdeutlicht, dass die europäische Gaspipeline-Industrie ihre Verantwortung ernst nehmen muss, um einen effektiven Beitrag zur Dekarbonisierung des Energiesektors zu leisten. Um den Herausforderungen der Energiewende gerecht zu werden, sind umfassende Maßnahmen zur Verbesserung der Transparenz und zur Einschränkung von nachgelagerten Emissionen unerlässlich.