Am 26. Jänner 2026 präsentierte Arnold Kammel, Generalsekretär im Verteidigungsministerium, die Analyse „Risikobild 2026“. Diese umfassende Untersuchung thematisiert die steigenden geopolitischen Risiken und deren globale Auswirkungen. Besonders besorgniserregend ist laut Oberst Bernhard Richter die erhöhte Gefahr eines Atomkriegs, die er als „sehr, sehr groß“ einschätzt. Dies bringt Erinnerungen an die Hochphase des Kalten Kriegs im Jahr 1983 zurück, als die Spannungen zwischen den globalen Mächten ebenfalls auf einem Höhepunkt waren. Die Analyse stellt fest, dass die dominierenden globalen Akteure weiterhin die USA, China und Russland sind.

Die Situation Russlands wird als prekär beschrieben. Zwar verfügt das Land über ein großes nukleares Arsenal, doch steht es vor bedeutenden Herausforderungen, die durch demografische Veränderungen, wirtschaftliche Schwierigkeiten und Talentabwanderung bedingt sind. Diese Faktoren deuten darauf hin, dass Russland eher als Schwäche denn als Stärke wahrgenommen wird. Generalmajor Ronald Vartok unterstreicht in diesem Kontext, dass die Vorstellung einer regelbasierten, liberalen Weltordnung nicht mehr haltbar sei. Die EU scheint in den Gesprächen zur Beendigung des Ukraine-Kriegs kaum Einfluss zu haben, während Länder wie Frankreich und Großbritannien aktiv werden.

Globale Auswirkungen der geopolitischen Risiken

Der Ukraine-Krieg hat nicht nur Auswirkungen innerhalb Europas, sondern beeinflusst auch Sicherheitsinteressen weit über die Region hinaus, etwa in Südkorea. Auch die Migrationsströme aus Konflikten im Nahen und Mittleren Osten sowie Afrika werden zunehmen. Diese Migration wird als ein Teil der hybriden Kriegsführung betrachtet, wodurch die destabilisierten Regionen weiter geschwächt werden. Kammel beschreibt eine besorgniserregende „Survival of the fittest“-Situation, in der das Recht des Stärkeren dominiert.

Zunehmende Manipulationen und hybride Maßnahmen, die das Vertrauen in Regierungen untergraben, stellen ein weiteres Risiko dar. Zusätzlich identifiziert die Analyse wirtschaftlichen Protektionismus und Cyberangriffe als gefährliche Trends. Trotz dieser Herausforderungen berichten österreichische Behörden, dass sie momentan in der Lage sind, Cyberangriffe abzuwehren. Dabei sind die österreichischen Institutionen gefordert, sich im globalen Wettbewerb zu positionieren und die Resilienz ihrer Staaten zu erhöhen.

Geopolitische Risiken und ihre ökonomischen Auswirkungen

Die jährliche Studie zur geopolitischen Risikoanalyse von der EY-Parthenon Geostrategic Business Group beleuchtet ebenfalls die potenziellen politischen Risiken und deren ökonomische Auswirkungen auf Unternehmen. Über 50 Experten der Branche haben Risiken hinsichtlich ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit und der Konsequenzen auf 18 relevante Sektoren bewertet. Diese Einschätzungen ermöglichen es Führungskräften, geopolitische Risiken aktiv zu steuern und sich strategisch auszurichten, um negative Marktauswirkungen zu minimieren. Der aktuelle Geostrategic Outlook 2026 thematisiert zehn geopolitische Entwicklungen mit hoher Relevanz für global operierende Firmen, wie sie das Geschäftsklima beeinflussen können.

Eine Untersuchung der Bundesbank offenbart auch, dass das steigende geopolitische Risiko wie ein negativer Angebotsschock auf die internationalen Handelsströme wirkt. Der Rückgang der preisbereinigten Einfuhren aus riskanten Ländern und die gleichzeitige Erhöhung der Importpreise sind alarmierende Trends, die in der Analyse der geopolitischen Risiken von 1990 bis 2019 dokumentiert sind. Dieses negative Bild wird durch die fortdauernden Spannungen, insbesondere im Kontext des russischen Angriffskriegs in der Ukraine, weiter verstärkt. Er zeigt sich auch in ähnlichen Schlussfolgerungen anderer Studien, die die Auswirkungen von geopolitischen Risiken untersuchen.