Antillano, ein Experte für venezolanische Politik, hat die europäische Gemeinschaft für ihr diplomatisches Schweigen während des militärischen Angriffs der USA auf Venezuela kritisiert. Er sieht diese Untätigkeit als eine ernsthafte Bedrohung für die gesamte westliche Hemisphäre, einschließlich Europa. In seinen Äußerungen betont er, dass das Schweigen der europäischen Regierungen Präsident Trump ermutige, ungehindert zu handeln und seine militärischen Interessen durchzusetzen. Besonders bemerkenswert ist, dass Marine Le Pen, die normalerweise keine Nähe zu der venezolanischen Regierung hat, den Angriff verurteilt hat, was als überraschend angesehen wird.
In Venezuela herrscht unter den Bürgern eine gespannte Ruhe. Viele Menschen leben in Angst vor einem neuen Angriff oder staatlicher Repression und meiden öffentliche Orte. Antillano erklärt, dass es keine Anzeichen für eine demokratische Verbesserung im Land gibt. Die kürzliche Ernennung von Delcy Rodríguez zur Interimspräsidentin wird nicht als Neuanfang, sondern als strategische Anpassung betrachtet. Antillano spricht von einem „Madurismus ohne Maduro“, bei dem das bestehende System im Kern bestehen bleibt und keine wirklichen Veränderungen zu erwarten sind.
Trumps Interesse an Öl
Donald Trump hat offen über die wirtschaftlichen Interessen der USA in Venezuela, insbesondere in Bezug auf die riesigen Ölreserven des Landes, gesprochen. Er bezeichnete venezolanisches Öl als „gestohlen“, das amerikanische Unternehmen zurückholen sollen. Venezuela besitzt mit etwa 303 Milliarden Barrel die größten Ölreserven weltweit, was 17 % der globalen Reserven entspricht. Diese Ölvorkommen sind hauptsächlich im Orinoco-Gürtel konzentriert, einer Region von 55.000 Quadratkilometern. Im Jahr 2025 förderte Venezuela nur etwa 1,1 Millionen Barrel pro Tag, was lediglich 1 % der weltweiten Produktion ausmacht.
Das Land hat in den letzten Jahrzehnten einen dramatischen Rückgang der Ölproduktion erlebt, die nun weniger als ein Drittel der Menge aus den 1970er-Jahren beträgt. Trumps Behauptung, dass die Enteignung von US-Ölunternehmen im Jahr 2007 „einer der größten Diebstähle amerikanischen Eigentums“ war, spiegelt die anhaltenden Spannungen wider. Chevron, als einziger großer US-Ölkonzern, der weiterhin in Venezuela aktiv ist, könnte möglicherweise am meisten von einer Öffnung des Marktes profitieren, während andere Unternehmen wie ConocoPhillips und ExxonMobil ihr Engagement im Land aufgegeben haben.
Ölpreisentwicklung und Marktreaktionen
Die Märkte reagierten zunächst auf die Ankündigungen von Trump mit leichten Preisabschlägen. Brent-Öl fiel um 0,4 % auf 60,54 Dollar, während WTI um 0,5 % auf 57,04 Dollar sank. Kurz darauf stiegen die Ölpreise jedoch wieder an. Experten äußern Bedenken hinsichtlich eines kurzfristigen „Öl-Effekts“ und betonen, dass erhebliche Investitionen benötigt werden, um die venezolanische Ölproduktion zu steigern. In der Vergangenheit haben ähnliche Interventionen in anderen Ländern nicht zu den erhofften Ergebnissen geführt. Zudem müssen für eine verbesserte Ölproduktion nicht nur die Infrastruktur repariert, sondern auch die zukünftige politische Führung stabilisiert werden.
Die öffentliche Diskussion über die geopolitische Situation in Venezuela bleibt angespannt. Einige Experten warnen vor einem möglichen „Ausverkauf“, wenn die Regierung unter Rodríguez einen Macht-Erhalt durch eine enge Bindung an Washington sichern sollte. Geplant ist möglicherweise eine sogenannte „nationale Einheit“, die alle sozialen und politischen Kräfte im Land einbeziehen könnte – inklusive der Freilassung politischer Gefangener und Neuwahlen. Solche Neuwahlen wären notwendig, wenn ein dauerhaftes Fehlen des Präsidenten festgestellt wird, wie es die venezolanische Verfassung vorsieht.
Die Situation in Venezuela ist also aufgrund der inneren Unruhen und der geopolitischen Interessen der USA komplex und spiegelt die schwierigsten Herausforderungen wider, die das Land gegenwärtig meistert.
Für weitere Informationen, besuchen Sie bitte Kleine Zeitung, Tagesschau und Süddeutsche.