Eine aktuelle Studie des „Projekts Lebensraum- und Konfliktpotential für den Wolf in Österreich“ der Universität für Bodenkultur zeigt alarmierende Ergebnisse über die wachsende Wolfpopulation in Europa und das damit verbundene Konfliktpotenzial, insbesondere in Kärnten. Laut der Studie ist das Konfliktpotenzial hier im Vergleich zu anderen österreichischen Bundesländern besonders hoch, was die Alm- und Freizeitwirtschaft vor erhebliche Herausforderungen stellt. Dies wird von der Landwirtschaftskammer (LK) und dem Almwirtschaftsverein unterstützt, die beide betonen, dass Wölfe in Kärnten keinen Platz haben dürfen und fordern ein aktives Wolfsmanagement sowie klare rechtliche Rahmenbedingungen für den Umgang mit dieser Spezies.
Die unkontrollierte Ausbreitung der Wölfe führt zu einem Anstieg von Vorfällen mit Risiko- und Schadwölfen. So wurden allein in den ersten acht Monaten des Jahres 2023 bereits 224 Weidetiere gerissen, davon 216 Schafe und 56 verletzte Tiere. Im Jahr 2024 wurde die Zahl der gerissenen Weidetiere sogar auf 340 beziffert. Diese Situation gefährdet nicht nur die Almwirtschaft, sondern auch die touristische Nutzung der alpinen Landschaften in Kärnten, die als wichtigen Wirtschaftssektor der Region angesehen wird.
Wachsende Wolfpopulation und notwendige Maßnahmen
Die Wolfpopulation in Europa ist seit den 2000er Jahren kontinuierlich angestiegen. Schätzungen für 2023 kommen auf rund 21.500 Wölfe mit jährlichen Zuwachsraten von bis zu 30 Prozent. Der Wolf ist mittlerweile nicht mehr vom Aussterben bedroht. Dies bringt zahlreiche Konflikte mit der Landwirtschaft und ländlichen Bevölkerung mit sich. Auch Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler fordert eine überregionale Herangehensweise beim Wolfsmanagement, um diese Konflikte einzudämmen.
Dr. Jennifer Hatlauf, die Studienautorin, unterstreicht die Notwendigkeit eines funktionierenden Wolfsmanagements und hofft auf einen konstruktiven Diskurs, basierend auf den wissenschaftlichen Grundlagen der Studie. Hierbei wurde auch die Dringlichkeit eines aktiven Wolfmonitorings in Österreich erkannt, um die Lebensräume und Konfliktpotenziale besser zu verstehen und zu steuern. Die Kombination der neu erstellten Karten, die potenzielle Lebensräume und Konfliktpotenziale illustrieren, soll als wesentliche Grundlage für zukünftige Managementmaßnahmen dienen.
Rechtslage und internationale Abstimmung
In diesem Kontext betont die EU in ihrer Judikatur, dass der Erhaltungszustand einer Art nicht nur anhand nationaler Gesamtpopulationen bewertet werden kann. Die Landwirtschafts- und Umweltminister sowie die beteiligten Verbände fordern gesetzliche Anpassungen auf nationaler, internationaler und EU-Ebene für ein nachhaltiges Wolfsmanagement. Um die Probleme effektiv zu adressieren, wird eine enge Zusammenarbeit mit Nachbarländern notwendig sein.
Die publizierte Studie liefert somit nicht nur wertvolle Daten für Monitoring- und Managementmaßnahmen, sondern legt auch den Grundstein für die dringend benötigte Forschung und Gesetzesanpassungen im Umgang mit dieser wachsenden Tierpopulation. Die bevorstehenden Herausforderungen in Bezug auf den Umgang mit Wölfen erfordern ein gemeinsames, informatives und kooperatives Vorgehen.