Voestalpine in Mürzzuschlag: 450 Jobs in Gefahr – Was nun?
Voestalpine steht vor möglichen Kündigungen in Mürzzuschlag. Hohe Kosten und Nachfrageeinbruch belasten 450 Arbeitsplätze.

Voestalpine in Mürzzuschlag: 450 Jobs in Gefahr – Was nun?
Der Voestalpine-Standort im steirischen Mürzzuschlag steht vor schweren wirtschaftlichen Turbulenzen. Rund 450 Mitarbeiter sind dort beschäftigt, und die Unternehmensführung schließt aufgrund eines signifikanten Rückgangs der Absatzmengen im Bereich Werkzeugstahl Personalmaßnahmen nicht aus. Ein Projekt zur wirtschaftlichen Stabilisierung wurde Mitte September gestartet, dennoch sind die Herausforderungen enorm. Hohe Energiekosten und standortbedingte Ausgaben belasten den Standort zusätzlich. Auch amerikanische Strafzölle auf Stahlprodukte tragen zur prekären Situation bei, die sich in den Verkaufszahlen im Kernbereich Werkzeugstahl widerspiegelt, die weiterhin sinken.
Die Belegschaftsvertretung und die Mitarbeiter wurden frühzeitig über die Lage informiert. Der Konzern hat externe Beratungsexpertise hinzugezogen, um die Situation zu bewerten. Die Entscheidung über mögliche Anpassungen der Produktionskapazitäten sowie mögliche Stellenstreichungen soll bis spätestens Jahresende fallen. Die aktuelle Wirtschaftslage lässt jedoch keine kurzfristige Verbesserung erwarten. Für die europäische Stahlindustrie ist diese Situation symptomatisch: Ein Nachfrageeinbruch bei Werkzeugstahl, steigende Preise und die Unsicherheiten durch den Zollstreit mit den USA belasten die Branche insgesamt.
Schwache Nachfrage und mögliche Schließungen
Die Nachfrage nach Werkzeugstahl ist signifikant und anhaltend schwach, was das Überleben des Werks in Mürzzuschlag in Frage stellt. Ein Effizienzprojekt wurde gestartet, doch die Prozessoptimierung allein reicht nicht aus. Die Probleme in Mürzzuschlag sind Teil größerer Herausforderungen innerhalb des Voestalpine-Konzerns, und betroffene Standorte könnten auch Kapfenberg sowie Kindberg betreffen. Im bisherigen Jahr wurden in Kapfenberg etwa 250 Arbeitsplätze abgebaut, was zeigt, dass der Druck in der gesamten Branche hoch ist.
Das Management der Voestalpine möchte Produkte zu marktfähigen Preisen anbieten, was derzeit aufgrund hoher Kosten in Österreich im internationalen Vergleich schwierig ist. Entsprechend könnte die Restrukturierung in Mürzzuschlag auch negative Auswirkungen auf die Aktien des Unternehmens haben, die seit Jahresbeginn um fast 66 Prozent gestiegen sind. Die langfristigen Folgen der geplanten Kapazitätskürzungen sind aktuell noch nicht kalkulierbar und werfen Fragen zur zukünftigen Profitabilität auf.
Wirksame Maßnahmen und Marktbedingungen
Die derzeitige Lage ist nicht isoliert zu betrachten, denn auch die Stahlbranche in Deutschland leidet unter hohen Energiekosten und einem schwachen wirtschaftlichen Umfeld. Die Rohstahlproduktion ist im ersten Halbjahr 2025 um knapp 12 Prozent gesunken, was die niedrigste Produktion seit der Finanzkrise 2009 darstellt. Wichtige Abnehmerbranchen wie Bau, Maschinenbau und Automobilindustrie zeigen schwache Inlandsnachfragen, die das Marktumfeld zusätzlich belasten.
Hochrangige Vertreter der Branche fordern jetzt einen Stahlgipfel auf höchster politischer Ebene, um Lösungen zu finden. Große Unternehmen wie Salzgitter und Thyssenkrupp haben bereits ihre Prognosen für das Gesamtjahr gesenkt und planen deutliche Kapazitätsanpassungen. AcerlorMittal hat gar Milliarden-Pläne für die Umrüstung auf „grünen Stahl“ in Deutschland gestoppt, was die tiefergehenden Probleme der Stahlindustrie unterstreicht.