Am Montag, dem 2. Februar 2026, ruft die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) deutschlandweit die Beschäftigten der kommunalen Nahverkehrsunternehmen zu Streiks auf. Etwa 100.000 Arbeitnehmer in 150 städtischen Verkehrsunternehmen und Busbetrieben der Landkreise sowie in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen sollen von den Streikmaßnahmen betroffen sein. Ziel der Streiks sind Verbesserungen der Arbeitsbedingungen im öffentlichen Nahverkehr, für die seit längerem verhandelt wird. Die Forderungen von ver.di umfassen unter anderem kürzere Wochenarbeitszeiten, längere Ruhezeiten und höhere Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit. Ein besonderer Fokus liegt auf den Bundesländern Bayern, Brandenburg, dem Saarland, Thüringen und bei der Hamburger Hochbahn, wo zusätzlich über höhere Löhne und Gehälter verhandelt wird.

Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle stellt klar, dass die Beschäftigten unter erheblichem Druck stehen, hervorgerufen durch ungünstige Arbeitszeiten und Zeitdruck. Sie betont die Dringlichkeit von Reformen, um den hohen Fluktuationsraten entgegenzuwirken und Fachkräfte zu gewinnen. Ein bisheriges Verhandlungsverhalten der Arbeitgeber wurde von Behle als unzureichend kritisiert, da Verbesserungen verweigert und teilweise zusätzliche Belastungen erstellt wurden, etwa durch längere Schichten oder die Streichung von Krankengeldzuschüssen. Behle bezeichnet dies als einen Angriff auf bestehende Vereinbarungen und als Bedrohung für den öffentlichen Nahverkehr als elementare Daseinsvorsorge.

Streikaufruf und Auswirkungen

Der Streik, der für den Montag angekündigt ist, wird voraussichtlich zu einem massiven Stillstand im öffentlichen Nahverkehr führen. Während die meisten Regional- und S-Bahnen der Deutschen Bahn nicht betroffen sind, sind Millionen von Arbeitnehmern auf die Pünktlichkeit angewiesen und viele Schülerinnen und Schüler können nicht einfach zu Hause bleiben. Wichtige Städte wie Berlin, Hamburg, München, Stuttgart, Köln, Nürnberg und der Rhein-Main-Verkehr sind nicht vom Streik betroffen, da die S-Bahnen und der Fernverkehr dort nicht von ver.di vertreten sind. Es ist jedoch zu beachten, dass Niedersachsen zunächst von den Maßnahmen ausgenommen ist, da rund 5.000 Beschäftigte dort noch der Friedenspflicht unterliegen.

Für die kommenden Tage kündigt ver.di eine „harte Runde“ an, sollten keine Fortschritte bei den Verhandlungen erzielt werden. Der Streikaufruf wird auch als Signal der Entschlossenheit verstanden; die Beschäftigten sind bereit, aktiv für ihre Forderungen zu kämpfen. In diesem Zusammenhang verweist die Gewerkschaft auf die Studie von ver.di und der Klimaallianz Deutschland aus Dezember 2025, die die hohe Belastung durch Schichtarbeit im Fahrdienst dokumentiert.

Tarifverträge und deren Bedeutung

Die Tarifverträge, die im öffentlichen Nahverkehr zur Anwendung kommen, werden zwischen der Gewerkschaft ver.di und den kommunalen Arbeitgeberverbänden in den einzelnen Bundesländern abgeschlossen. Diese Verträge regeln nicht nur die Löhne, sondern auch die Arbeitsbedingungen, einschließlich der wöchentlichen Arbeitszeiten. Arbeitnehmer im ÖPNV, wie Busfahrer und Kontrollschaffner, unterliegen den Spartentarifverträgen, die spezielle Vorgaben zur Eingruppierung sowie Entgelte enthalten. Ver.di fordert in den laufenden Verhandlungen tiefgreifende Anpassungen dieser Tarifverträge, um die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten zu verbessern.

Die Tragweite dieser Streiks wirft ein Schlaglicht auf die kritischen Bedingungen, unter denen viele im öffentlichen Nahverkehr arbeiten. Ein erneuter Stillstand könnte für die Öffentlichkeit weitreichende Auswirkungen haben, insbesondere unter den kalten Wetterbedingungen, die aktuell in einigen Regionen Deutschlands herrschen. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor gefrierendem Regen und Straßenglätte, was die Situation zusätzlich erschwert.