Essen. Im Ruhrgebiet ist ein dramatischer Rückgang der Geburtenzahlen zu verzeichnen! Trotz dieser besorgniserregenden Entwicklung öffnen neue Geburtshäuser, während andere um ihr Überleben kämpfen. Die Hebamme Katja Stöhr, die das Geburtshaus Essen im Stadtteil Bochold leitet, hat über 1000 Geburten begleitet und weiß um die Herausforderungen, die die Geburtshilfe derzeit plagen.

Von Juni bis September 2024 blieb die Geburtshilfe im Geburtshaus Essen vorübergehend eingestellt! Während Kurse und Vorsorge weiterhin stattfanden, konnten keine Geburten durchgeführt werden. Der Rückgang der Geburtenzahlen in Nordrhein-Westfalen ist alarmierend: Von 2022 bis 2023 sank die Zahl um 5,5 Prozent. Die Ursachen sind vielfältig: Die Covid-19-Pandemie, der Ukraine-Krieg, Inflation und Klimawandel haben viele Paare verunsichert und dazu geführt, dass sie ihren Kinderwunsch aufschieben.

Geburt als Zuschussgeschäft: Ein finanzielles Desaster

Die finanzielle Lage in der Geburtshilfe ist katastrophal! Matthias Blum, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen, erklärt, dass Kliniken „eklatant unterfinanziert“ sind. Die Fallpauschalen reichen nicht aus, um die Kosten für eine Geburt zu decken. Geburtshäuser wie das in Essen verdienen im Schnitt nur 2500 Euro pro Geburt, was nicht einmal die laufenden Kosten deckt. Das Geburtshaus muss zusätzliche Einnahmen aus Kursangeboten generieren, um über die Runden zu kommen.

Die Suche nach Hebammen ist ein weiteres großes Problem! Obwohl immer mehr Hebammen in den Beruf einsteigen, entscheiden sich viele gegen die Geburtshilfe, da die Berufshaftpflichtversicherung exorbitante Kosten verursacht. Sonja Kleinrath, Vorsitzende des Verbands Hebammen NRW, bestätigt: „Es gibt viele Hebammen, aber wenige, die sich für die Geburtshilfe entscheiden.“ Im Geburtshaus Essen sind derzeit nur sechs Hebammen tätig, und die Suche nach neuen Kolleginnen gestaltet sich äußerst schwierig.

Die Bezahlung ist unzureichend und unattraktiv! Eine Hebamme erhält für einen Wochenbettbesuch nur 38 Euro, unabhängig von der Dauer des Besuchs. „Ein Handwerker fährt dafür schon gar nicht raus“, so Stöhr. Die Lage ist angespannt, und die Zukunft der Geburtshilfe im Ruhrgebiet steht auf der Kippe!