
In Neuseeland ereignete sich ein tragischer Vorfall, bei dem ein elfjähriges Mädchen fälschlicherweise für eine vermisste 20-jährige Frau gehalten wurde. Der Vorfall, der sich am 9. März in Hamilton zutrug, entwickelt sich zu einem ernsten Thema auf dem Gebiet der psychiatrischen Versorgung, insbesondere von Kindern. Das Mädchen mit eingeschränkten sprachlichen Fähigkeiten wurde von einer Polizeistreife auf einer Brücke aufgegriffen und anschließend in eine Klinik eingewiesen.
Wie vienna.at berichtet, wurde das Mädchen trotz einer Warnung einer Pflegerin, dass es wie ein Kind aussieht, auf die psychiatrische Intensivstation gebracht. Aufgrund ihrer Behinderung war das Mädchen nicht in der Lage, sich selbst zu beschreiben, was die Situation komplizierte. Im Krankenhaus lehnte sie die vom Personal verordneten Medikamente ab und wurde daraufhin fixiert und mit Antipsychotika behandelt, die für Kinder nur selten verabreicht werden.
Kritik an der Behandlung
Mehr als zwölf Stunden verbrachte das Mädchen in der Klinik, bis die Polizei auf den Fehler aufmerksam wurde und die Familie informierte. Gesundheitsbeamter Richard Sullivan entschuldigte sich für das erlittene Trauma und versprach eine umfassende Untersuchung, um sicherzustellen, dass sich ein solcher Vorfall nicht wiederholt. Neuseelands Premierminister Christopher Luxon äußerte Mitgefühl mit dem Mädchen und seiner Familie und bezeichnete das Geschehene als "schrecklich".
Dieser Vorfall wirft Fragen zur psychiatrischen Versorgung auf, die nicht nur in Neuseeland, sondern weltweit von Bedeutung ist. Auch in Deutschland zeigt eine umfassende Bedarfsanalyse für die Versorgung psychisch kranker Heranwachsender Defizite auf. Rund 20% der Kinder und Jugendlichen in Deutschland leiden unter psychischen oder Verhaltensproblemen, aber etwa 50% von denen, die behandlungsbedürftig sind, erhalten keine angemessene Behandlung, wie aerzteblatt.de feststellt.
Versorgungsengpässe und Synergieeffekte
Besonders besorgniserregend sind die identifizierten Risiken für Hochrisikogruppen, wie fremduntergebrachte Kinder oder solche aus belasteten Familien. Das Projekt "Versorgung psychisch kranker Kinder und Jugendlicher in Deutschland", gefördert vom Bundesministerium für Gesundheit, zielt darauf ab, diese Lücken zu schließen. Professor Dr. Jörg M. Fegert, der das Projekt leitet, betont die Notwendigkeit, aus den Ergebnissen der Analyse Konsequenzen zu ziehen.
Die Herausforderungen in der psychiatrischen Versorgung sind vielschichtig. Dazu zählen der Übergang von der Jugend- zur Erwachsenenpsychiatrie und die Schnittstellenproblematik zwischen verschiedenen Institutionen, darunter schulische Versorgung und Jugendhilfe. Die aktuelle Situation zeigt, wie wichtig es ist, Angehörige und Bezugspersonen in die Behandlungsnetze einzubeziehen und die Sichtbarkeit psychischer Erkrankungen zu erhöhen.
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