Ein russischer Luftangriff am Wochenende hat Teile des Kiewer Höhlenklosters in Kiew beschädigt, wie das ukrainische Kulturministerium berichtet. Zu den betroffenen Bereichen gehören der Eingangsbereich zu den Fernen Höhlen sowie die Sankt-Anna-Kirche. Darüber hinaus wurden Türen, Fenster und der Putz einer Außenwand in Mitleidenschaft gezogen. Ein veröffentlichtes Foto zeigt die zerbrochene Fensterscheibe des historischen Gebäudes.
Das Kiewer Höhlenkloster, das 1051 gegründet wurde, gilt als Wiege des ostslawischen orthodoxen Christentums und steht seit 1990 auf der UNESCO-Welterbe-Liste. Es ist eines der bedeutendsten kulturellen Erbes der Ukraine. Kulturministerin Tetjana Bereschna verurteilte den Angriff scharf und bezeichnete ihn als „Verbrechen gegen das Erbe der Menschheit“. Seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 wurden in der Ukraine über 4.000 Kulturstätten zerstört.
Historische Bedeutung des Höhlenklosters
Das Kiewer Höhlenkloster, oder auch Києво-Печерська лавра, befindet sich am Westufer des Dnepr im Rajon Petschersk und besteht aus mehr als 140 Gebäuden, die sich auf zwei Bereiche verteilen: die obere und die untere Lawra. Zu den markantesten Bauwerken zählen der 88 Meter hohe Große Lawra-Glockenturm, die Dreifaltigkeitstor-Kirche sowie die Mariä-Entschlafens-Kathedrale. Die Architektur des Klosters ist stark vom ukrainischen Barock geprägt und zieht jährlich über eine Million Touristen an.
Der Klosterkomplex ist nicht nur ein religiöses Zentrum, sondern war auch in der Vergangenheit Sitz der Ukrainisch Orthodoxen Kirche (Patriarchat Moskau). Die ältesten Erwähnungen des Klosters stammen aus dem 12. Jahrhundert, als der Einsiedler Antonius von Kiew es gemeinsam mit Theodosius von Kiew gründete. Im Laufe der Geschichte hat das Kloster immer wieder verschiedene Herausforderungen erlebt, unter anderem auch durch die deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg, die die Mariä-Himmelfahrt-Kathedrale 1941 sprengen ließen.
Gefährdung des Kulturerbes
Die Schäden am Kiewer Höhlenkloster sind Teil eines größeren Problems: Der kulturelle Erbe der Ukraine steht während des Konflikts stark unter Druck. Jüngste Fälle zeigen, dass seit Februar 2022 zahlreiche historische Stätten in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Am 10. März 2024 kündigte das ukrainische Kulturministerium den Pachtvertrag mit der UOK an und forderte deren Räumung. Der Fall ist emblematisch für die Herausforderungen, mit denen der Kulturgutschutz in Kriegszeiten konfrontiert ist.
Der Schutz und die Bewahrung kultureller Güter sind weltweit von großer Bedeutung. In Deutschland steht der Kulturgutschutz im Rahmen des Zivil- und Katastrophenschutzes ebenfalls hoch im Kurs. Bund und Länder arbeiten zusammen, um den Erhalt national wertvollen Kulturguts zu gewährleisten, wobei auch der internationale Austausch und die Gesetzgebung eine zentrale Rolle spielen, um historische Stätten und wertvolle Sammlungen zu sichern.