
Die Doping-Causa um Jannik Sinner beschäftigt die Tenniswelt seit rund einem Jahr. In einem aktuellen Interview mit der "Gazzetta dello Sport" äußert sich Umberto Ferrara, der entlassene Fitness-Coach des italienischen Tennisstars, zu den Vorwürfen. Ferrara räumt ein, dass er dem Physiotherapeuten Giacomo Naldi ein Spray zur Behandlung einer Schnittwunde empfohlen hat, welches das anabole Steroid Clostebol enthielt. Obwohl Ferrara angibt, dass ihm dieses Spray von einem Facharzt als unterstützendes Medikament für eine chronische Erkrankung verschrieben wurde, gesteht er ein, dass ihm die verbotene Substanz bewusst war und er Naldi vor der Anwendung warnte. Diese Enthüllungen werfen ein neues Licht auf die Hintergründe der Dopingvorwürfe gegen Sinner, die nicht nur seine Karriere, sondern auch die Integrität des Tennis-Sports in Frage stellen.
Die Situation eskalierte, als Sinner im August 2024 von Ferrara und Naldi trennte. Trotz der seit zwei Monaten bestehenden Sperre steht der junge Spieler an der Spitze der Weltrangliste und führt zudem das Jahresranking aufgrund seines Sieges bei den Australian Open an. Sinner selbst äußert in einem Interview mit Sky, dass er der Zwangspause Positives abgewinnen kann und sich während dieser Zeit ausgeruht hat, inklusive Ausflügen auf die Skipisten seiner Heimat. Seine Sperre endet am 4. Mai 2025, ab dem 13. April darf er zudem wieder trainieren, was ihm eine rechtzeitige Vorbereitung auf Roland Garros ermöglicht.
Einblicke in die Verwendung anaboler Steroide
Anabole Steroide, wie Clostebol, sind synthetische Testosteronanaloga, die sich durch chemische Veränderungen vom natürlichen Testosteron unterscheiden. Laut der Deutschen Sporthochschule Köln sind die wesentlichen Wirkungen dieses Hormontyps anabole (aufbauende) und androgene (männliche) Effekte. Für Sportler sind vor allem die anabolen Wirkungen von Interesse, da sie die Proteinsynthese in Muskelzellen stimulieren, was zu einer Leistungssteigerung führt. In den 60er und 70er Jahren wurde im internationalen Sport, darunter insbesondere Leichtathletik und Gewichtheben, ein umfangreicher Missbrauch von Anabolika dokumentiert. Trotz umstrittener Diskussionen über ihre Wirksamkeit zeigen einige Studien, dass die zusätzliche Zufuhr anaboler Steroidhormone auch bei Männern ohne Testosterondefizit leistungssteigernde Effekte haben kann.
Diese wissenschaftlichen Hintergründe verdeutlichen die Komplexität des Doping-Problems im Leistungssport und werfen Fragen zur Responsibility und Regulierung auf. Die Situation um Jannik Sinner zeigt, wie schnell ein vielversprechendes Sportlerleben durch solche Vorwürfe überschattet werden kann, und erinnert an die fortwährenden Herausforderungen, mit denen der Profisport konfrontiert ist.
Ort des Geschehens
Details zur Meldung