Neues Leben im alten Bauernhaus: Internationale Pflegeschüler in Schwangau
In Schwangau zieht eine internationale Gruppe von Pflegeschülern in ein historisches Bauernhaus, um Senioren in Füssen zu betreuen.
Neues Leben im alten Bauernhaus: Internationale Pflegeschüler in Schwangau
In der idyllischen Gemeinde Schwangau hat ein historisches Bauernhaus, das früher als Pension diente, eine bedeutende neue Rolle eingenommen. Anstatt als Urlaubsunterkunft zu fungieren, bietet es jetzt neun jungen Auszubildenden aus verschiedenen Ländern, darunter Tunesien, Togo, Italien, Spanien und Nigeria, ein Zuhause. Die Jugendlichen haben sich der Ausbildung in der Altenpflege verschrieben und arbeiten in den nahegelegenen Seniorenheimen St. Michael und St. Martin in Füssen.
Die feierliche Eröffnung des internationalen Wohnheims fand kürzlich statt, wobei Dr. Hans Ketterl, der Eigentümer des Anwesens, seine Freude über die Initiative zum Ausdruck brachte. „Ich freue mich, das Projekt ‚internationales Wohnheim‘ zu starten“, erklärte er während der Zeremonie. Ketterl, der das Gebäude von seiner Tante geerbt hat, die in der Sattlerfamilie Schwangau lebte, sieht in diesem Projekt eine sinnvolle Fortsetzung der Geschichte seiner Familie. Seine Tante verbrachte ihre letzten Jahre im Seniorenheim, was ihn motivierte, Raum für pflegende Personen zu schaffen, die der Gemeinschaft etwas zurückgeben.
Unterstützung der Gemeinde und des Roten Kreuzes
Der erste Bürgermeister von Schwangau, Stefan Rinke, bekräftigte in seiner Rede die vollste Unterstützung des Projekts durch die Gemeinde. „Wir heißen die internationalen Auszubildenden willkommen und schätzen das Engagement des privaten Eigentümers, dringend benötigten Wohnraum zu schaffen“, betonte Rinke. Ein zentraler Punkt seiner Aussage war die Notwendigkeit, Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen, um dem zunehmenden Personalmangel in der Pflegebranche entgegenzuwirken.
Angelika Schorer, die Präsidentin des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), unterstrich ebenfalls die Bedeutung internationaler Fachkräfte für die Aufrechterhaltung hoher Standards in den Einrichtungen. „Wir suchen junge, interessierte Menschen aus unterschiedlichen Ländern, die den Pflegeberuf erlernen möchten“, sagte sie. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Sprachförderung, um die neuen Mitarbeiter optimal auf ihre Aufgaben im deutschen Pflegewesen vorzubereiten.
Matthias Stroeher, der Leiter des Seniorenheims St. Michael, wurde von Thomas Hofmann, dem Kreisgeschäftsführer des BRK, als treibende Kraft hinter der internationalen Rekrutierung hervorgehoben. „Wir haben bereits Mitarbeiter aus 35 verschiedenen Nationen. Die Hälfte unseres Teams besteht aus internationalen Kräften“, erklärte Hofmann und warnte vor den Konsequenzen eines Nichthandeln: „Wenn wir diese Entwicklung nicht fortsetzen, müssen wir möglicherweise Heime schließen.“ Er appellierte auch an die politischen Entscheidungsträger und Hausbesitzer, sich aktiv an der Lösung des Problems zu beteiligen.
Erfahrungen und Zukunftsperspektiven der neuen Bewohner
Die neuen Bewohner des Bauernhauses bringen bereits berufliche Vorkenntnisse im Gesundheitsbereich mit. Caterina d’Agostini aus Rom sieht in ihrer Heimat keine Zukunft und plant, ihre Ausbildung beim Roten Kreuz abzuschließen. Elvis Umemba, der einst Optiker in Nigeria war und dessen Traum, in der Ukraine Augenmedizin zu studieren, durch den Krieg ins Wanken geraten ist, bezeichnet die Altenpflege als seine neue Leidenschaft. Mabel Martinez Robles und Nallives Madrigal Valle, die zuvor in der Altenpflege gearbeitet haben, können nun eine Ausbildung beginnen, die ihnen neue Perspektiven bietet.
Brigitte Ketterl, die innerhalb kürzester Zeit eine einladende Atmosphäre im historischen Bauernhaus geschaffen hat, hat die sanitären Einrichtungen renoviert und sorgt dafür, dass sich die neuen Bewohner schnell einleben. Vielleicht gibt es bald einen selbst gebackenen Zitronenkuchen, der auf dem Tisch im ehemaligen Frühstücksraum steht: ein Symbol für Gemeinschaft und einen Neuanfang an diesem besonderen Ort.
Diese positive Entwicklung in Schwangau eröffnet nicht nur Perspektiven für die internationalen Auszubildenden, sondern ist auch ein klarer Schritt zur Bekämpfung des Pflegenotstands in der Region. Weitere Informationen darüber, wie solche Initiativen die Branche unterstützen, finden sich in einem aktuellen Artikel auf allgaeuhit.de.