Am 7. Jänner 2026 hat Russland offiziell verkündet, dass ein neuer Kernkraftwerksblock im Kraftwerk Kursk II in Betrieb genommen wurde. Dies wurde als bedeutender Schritt in der russischen Strategie zur Erweiterung der Kernenergie betrachtet. Laut Ökonews wurde der Block erfolgreichen ans Stromnetz angeschlossen und ist vom Typ VVER-TOI mit einer beeindruckenden Leistung von 1250 Megawatt.

Kursk II gilt als der leistungsstärkste Vertreter der russischen WWER-Reihe und markiert den Beginn einer neuen Ära für die Kernkraft in Russland. Der staatliche Konzern Rosatom hat erklärt, dass sich der Reaktor derzeit in einer Testphase befindet, in der die Leistungsfähigkeit schrittweise erhöht wird. Dieser neue Block soll die älteren RBMK-Reaktoren ersetzen, die seit den 1970er-Jahren betrieben werden und teilweise bereits außer Betrieb genommen wurden.

Der Ausbau der Kernenergie in Russland

Der Baubeginn für Kursk II datiert auf das Jahr 2018, wobei die Inbetriebnahme des ersten Blocks ursprünglich für 2022 vorgesehen war. Mit insgesamt vier neuen Reaktoren, die an diesem Standort geplant sind, verfolgt Russland das Ziel, den Anteil der Kernenergie am nationalen Energiemix von etwa 20 auf 25 Prozent zu erhöhen. Kritiker heben jedoch die erheblichen Sicherheitsrisiken des Atomkraftausbaus hervor, besonders im Hinblick auf ungelöste Fragen der Endlagerung radioaktiver Abfälle.

Das Kernkraftwerk Kursk befindet sich etwa 35 km westlich von Kursk, bei Kurtschatow am Fluss Seim. Es gehört Rosenergoatom, einem staatlichen Unternehmen, und die Geschichte der Anlage reicht bis in die 1970er-Jahre zurück. Der Bau des ersten Reaktors begann am 1. Juni 1972 und die ersten beiden Reaktoren gingen 1976 und 1979 in Betrieb. Insgesamt bestehen derzeit vier Blockreaktoren vom Typ RBMK, die eine Nettoleistung von 925 MW pro Block aufweisen.

Kritik und internationale Bedenken

Besonderes Augenmerk liegt auf den Risiken, die mit der Nutzung von Kernkraft verbunden sind. Die Internationale Atomenergie-Agentur (IAEA) hat wiederholt zur Vorsicht in Bezug auf den Betrieb von Kernkraftwerken geraten, um nukleare Unfälle zu vermeiden. Insbesondere im Kontext der Ukraine-Krise und der damit verbundenen geopolitischen Spannungen hat die IAEA das Kernkraftwerk Kursk überprüft und inspiziert, um sicherzustellen, dass alle Sicherheitsstandards eingehalten werden. Diese sind besonders relevant, da RBMK-Reaktoren in der Lage sind, kernwaffenfähiges Plutonium zu erzeugen.

Die endlichen Ressourcen und die Herausforderungen der nuklearen Sicherheit sind auch in Deutschland ein Thema. Nach dem Ende des Betriebs deutscher Kernkraftwerke bleibt ein Gefahrenpotenzial bestehen, das laut dem Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) über mehrere Jahre ein hohes Sicherheitsniveau erfordert. Diese Herausforderung verdeutlicht die globale Natur der Kernenergie-Debatte, die weit über nationale Grenzen hinausgeht.