
Die Situation in Flüchtlingslagern wird von führenden europäischen Politikern genau beobachtet. Ein aktuelles Doppel-Interview mit den Innenministern von Österreich, Gerhard Karner, und Deutschland, Nancy Faeser, fand im Flüchtlingslager Zaatari in Jordanien statt. Zaatari, an der syrisch-jordanischen Grenze gelegen, ist das größte Flüchtlingslager im Nahen Osten und beherbergt etwa 80.000 Menschen. Allein diese Zahl entspricht nahezu der Einwohnerzahl der deutschen Stadt Bamberg. Leider musste die geplante Mission der beiden Minister nach Syrien aufgrund einer akuten Anschlagsdrohung abgesagt werden, was einen Rückschlag für ihre Asyl-Pläne darstellt. Dies wird von Krone berichtet.
Das Flüchtlingscamp Zaatari wurde 2012 gegründet und hat sich von einem provisorischen Lager zu einer Dauerlösung entwickelt. Im Camp leben viele Menschen, die vor dem Syrischen Bürgerkrieg geflohen sind, häufig seit mehreren Jahren. Jordanien hat in der Gesamtzahl etwa 1,3 Millionen geflüchtete Syrer aufgenommen, wobei nicht alle offiziell beim UNHCR registriert sind. Angesichts der Herausforderungen, mit denen die Geflüchteten konfrontiert sind, betont Dominik Bartsch, der UNHCR-Leiter in Jordanien, die Notwendigkeit einer finanziellen Unterstützung für akute Krisen und bestehende Notlagen. ZDF möchte auf die hohe Arbeitslosigkeit von über 20 Prozent in Jordanien hinweisen, wo die Bevölkerung gerade einmal 11 Millionen beträgt.
Herausforderungen im Camp
Die Bedingungen im Camp Zaatari sind oft schwierig. Viele der Container und Wellblechhütten sind beschädigt und müssen dringend renoviert werden. Eine der größten Herausforderungen ist die Wasserversorgung; das Grundwasser wird voraussichtlich in zwei Jahren erschöpft sein. Deutschland plant, die Wasserversorgung in Jordanien mit einem Darlehen von 129 Millionen Euro zu unterstützen und zusätzlich 41 Millionen Euro für geflüchtete Menschen bereitzustellen. In einem der Aufnahmen äußert die 28-jährige Geflüchtete Nour Al Dalla, dass sie den Wunsch hat, mit ihren Kindern nach Kanada oder Deutschland auszuwandern, jedoch sieht sie begrenzte Perspektiven dafür.
Diese Situation ist Teil eines größeren Problems, das sich durch die vergangene Asyl- und Flüchtlingspolitik in Europa zieht. Laut der Bundeszentrale für politische Bildung haben die EU-Staaten in den letzten zwei Jahrzehnten versucht, ihre Asylverfahren zu harmonisieren, doch die Unterschiede im Umgang mit Asylsuchenden bleiben erheblich. Die historischen Höchststände der Asylbewerberzahlen in der EU, 2015 mit 1,32 Millionen Anträgen, sind inzwischen gesunken. Dennoch bleiben große Herausforderungen bestehen, insbesondere in der Verteilung und der Schaffung legaler Einreisewege für Schutzsuchende.
Während sich verschiedene Staaten bemühen, die Asylbedingungen zu verbessern, verdeutlichen die aktuellen Ereignisse im Flüchtlingslager Zaatari, dass die globalen Herausforderungen der Migration und das Schicksal von Millionen Geflüchteten weiterhin dringenden Handlungsbedarf erfordern.
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