Russland hat in einem neuen Gewaltausbruch Angriffe auf die ukrainische Verkehrsinfrastruktur und Munitionsdepots fortgesetzt, nachdem es zuvor einen vorübergehenden Verzicht auf den Beschuss von Energieanlagen verkündet hatte. Laut dem russischen Verteidigungsministerium sollen in der Nacht auf Samstag 85 Drohnen eingesetzt worden sein. Berichte über Schäden an Energieanlagen stehen bisher jedoch aus. Diese Eskalation geschieht im Vorfeld geplanter Verhandlungen zwischen Moskau und Kiew, die am Sonntag in Abu Dhabi stattfinden sollen, wie vienna.at berichtet.
Präsident Wolodymyr Selenskyj äußerte, dass er sich an eine Waffenruhe halten wolle, auch wenn keine formelle Vereinbarung bezüglich einer Feuerpause zwischen den Kriegsparteien besteht. Er wies zudem darauf hin, dass die Angriffe zwar eingestellt wurden, jedoch nicht auf Kiew gerichtet seien. Auch in der Ukraine häufen sich eindringliche Berichte über massive Stromausfälle, die durch technische Störungen an Hauptstromleitungen in Verbindung mit Moldau und Rumänien verursacht wurden. In Kiew fiel die U-Bahn aufgrund eines Spannungsabfalls vollständig aus, was als kritische Störung der Logistik bewertet wird, berichtet welt.de.
Hintergrund der Verhandlungen
Unmittelbar vor den Verhandlungen hatte US-Präsident Donald Trump eine einwöchige Pause der Angriffe auf Kiew vorgeschlagen, um eine bessere Ausgangslage für Gespräche zu schaffen. Diese Bitte wurde seitens Kremlsprecher Dmitri Peskow bestätigt. In den vorangegangenen Telefonaten zwischen Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin war das Thema eines potenziellen Treffens in Moskau ebenfalls behandelt worden. Trotz dieser Gespräche äußerte Deutschlands Verteidigungsminister Boris Pistorius erhebliche Zweifel am Friedenswillen Russlands und bezeichnete die Bombardierungen während der Verhandlungen als Terrorakte gegen die Zivilbevölkerung in einem Winter mit extremen Temperaturen.
Die humanitäre Lage in der Ukraine ist angesichts winterlicher Temperaturen, die Meteorologen auf bis zu minus 26 Grad Celsius prognostizieren, äußerst besorgniserregend. Millionen von Menschen leiden unter dem Mangel an Strom und Heizung. Auch das AKW Tschernobyl war kurzzeitig von der externen Stromversorgung abgeschnitten, die Verbindung konnte jedoch schnell wiederhergestellt werden, ohne dass unmittelbare Auswirkungen auf die nukleare Sicherheit festgestellt wurden, wie IAEA-Chef Rafael Grossi erklärte. In einem weiten Kontext leiden viele Menschen in der Region unter den wiederholten Angriffen und der anhaltenden Unsicherheit, während die Verhandlungen im Hintergrund laufen, um möglicherweise eine Wende im Konflikt herbeizuführen, merkt sueddeutsche.de an.